
Die Scheu vor dem Tageslicht
Zola Jesus
Stridulum II
| Label | Souterrain Transmissions |
|---|---|
| Vertrieb | Rough Trade |
| VÖ-Datum | 20.8.2010 |
Es wird grau. Es wird dunkel. Die ersten beiden Zeilen auf Stridulum II von Zola Jesus verheißen nichts gutes. Oder zumindest nichts, was die Seele aufzuhellen vermag. Legt man sie als Versprechen aus, so wird es eingehalten. Lediglich die Stimme vermag die Finsternis ab und an zu verdrängen.
Hinter dem Bandnamen verbirgt sich Nika Roza Danilova, eine 21-jährige russisch-stämmige Amerikanerin aus Wisconsin. Ob diese biografischen Daten schon eine Erklärung für die Atmosphäre von Stridulum II sind, sei dahin gestellt. Doch die Musik, die sich an leichten Industrial und diverse Wave-Anleihen hält, erzeugt durchaus einige Assoziationen zu einem kalten russischen Winter irgendwo in einer Fabrik, in der die Maschinen monoton vor sich hin arbeiten. Und eine starke, warme Stimme dazu von Liebe in Zeiten der Dunkelheit singt. Dieses Bild mag übertrieben daher kommen, aber Zola Jesus fordert es auch heraus. Musikalisch bleibt das Album bis zum Ende spärlich elektronisch, der Fokus ist voll und ganz auf die Stimme Danilovas gerichtet. So als ob sie versuche gegen ihre eigenen Arrangements anzusingen. Auf diese Weise ist Stridulum II sehr homogen und es gelingt ihr, eine Atmosphäre zu schaffen, die sich am besten tatsächlich im Dunkeln entfaltet. Die Texte passen sich dabei der Musik an: Einfach, unspektakulär, aber effektiv. Bei Songs wie Night, I Can´t Stand oder besonders Manifest Destiny glaubt man ein ums andere Mal, die Amerikanerin würde von ihrer Musik verschluckt.
Nur um just am Ende ausgerechnet in einem Song, den sie Lightsick getauft hat, die Maschinen in den Hintergrund zu verdrängen und ein volles, warmes Klavier die Oberhand gewinnt. Es ist ein perfekter Schlusspunkt für ein sehr rundes, ausbalanciertes Album, das dadurch eine entscheidende Richtungsänderung erfährt. Nicht nur fühlt sich der Hörer besser, vor allem macht es die Musik von Zola Jesus auch zukünftig interessant.
Tracklist:
- Night
- Trust Me
- I Can´t Stand
- Stridulum
- Run Me Out
- Manifest Destiny
- Tower
- Sea Talk
- Lightsick
Highlights:
Night, Manifest Destiny, Lightsick



