
Weiterleitung
Zip Tone
Sandman
| Label | Next Vice |
|---|---|
| Vertrieb | Soulfood |
| VÖ-Datum | 28.10.2011 |
Zip Tone? Ist damit nicht das Geräusch eines Reißverschlusses gemeint? Und geht es dabei vielleicht darum, Kleidung abzulegen? Hoppla! Das sind nur Vermutungen und Rückschlüsse, die aus einer leicht fehlgeleiteten Phantasie, zuviel Gett Off von Prince und klarer Unwissenheit stammen, denn tatsächlich wird damit ja der Besetzt-Ton bei der Telephonie bezeichnet. Klingt im Vergleich etwas unaufregend? Vielleicht. Aber kein Grund, sich nicht mit der Musik von Kerstin Leidner, dem Mastermind hinter dem Projekt Zip Tone zu befassen.
Einen direkten Schnittpunkt zwischen einem Zip Tone und einem überwiegenden Part der Musik von Kerstin Leidner gibt es allerdings: Beide sind elektronisch generiert. Mit dem Unterschied, dass die Töne von Frau Leidner unendlich differenzierter ausfallen. Zip Tone ist eine One-Woman-Show. Das gilt nicht nur für das Schreiben ihrer Musik, das gilt auch für sämtliche anderen Bereiche, die dieses Projekt berührt. Hier kommt Musik, Text, Gesang, Mix sowie Produktion aus einer Hand und selbst die CD-Gestaltung wird in Eigenregie übernommen.
DIY at its Best also. Musik mit quasi Punk-Attitüde. Nur wer nun gewollten LoFi-Sound und Geschrammel erwartet, wird enttäuscht sein, denn Zip Tone entführt in ganz andere Dimensionen. Atmosphäre trifft auf ein melancholisches Grundgefühl, das elektronisch, teils 'experimentell' zum Ausdruck gebracht wird. Flächensounds liefern den synthetischen Teppich, zu dem oft ein Piano (oder ein Solo-Synthesizer ) etwas von einem verträumten Counterpart übernimmt, der über Drums und Percussions, die einem leicht vertracktes Gerüst fabrizieren, zu schweben scheint. Und mit stimmlicher Vielfalt reicht dann auch ein einziges Wort, so wie im Opener Alone, um einen kompletten Track mit Vocal-Inhalt zu füllen.
Kerstin Leidner spielt nicht nur mit dem Instrumentarium, sondern auch mit der Stimme, lässt Ambient mit 'Trip-Hop'-Elementen verschmelzen und erinnert mal etwas an (frühere) Massive Attack-Momente oder mal an Lamb-Elemente. Wie gesagt, sie erinnert lediglich daran und auf der Suche nach Vergleichen müssen markante Namen bemüht werden. Das ändert allerdings nichts an der Eigenständigkeit, die Zip Tone mit Sandman repräsentiert.
Sandman klingt in keinem Moment wie selbstgemacht und hat im positiven Sinne, wenn man so will, etwas sehr Undeutsches. Nichts zu spüren von einer DIY-Attitüde. Glücklicherweise. Was Kerstin Leidner hier im Alleingang mit Zip Tone vollbringt, verdient mehr als nur einen Respekt ausdrückenden Blick. Es ist ein bemerkenswertes Debüt, dass ab und an ein wenig Geduld braucht, aber eben auch verdient. Dann wird man auch Momente wie beispielsweise auf Your Ghost entdecken, in denen Leidner unspektakulär, aber gekonnt, vom Elektronischen ins Jazzige schwebt. Es mag auch stellvertretend dafür stehen, wie sie Frau ihrer Dinge ist und dass sie kaum einen Vergleich zu scheuen braucht. Vielleicht hätten hier und da hätte die Tracks noch etwas mehr Wums gebrauchen können und vielleicht hätte die Stimme mancherorts noch etwas weiter hinten im Klangbild platziert sein können und, ja vielleicht, hätte noch etwas mehr Industrial-Sound gepasst. Aber vielleicht sind das eben auch nur wieder fehlgeleitete Phantasien und all dieses Rumspinnen ändert nichts an dem hohen Level, den Zip Tone hier abliefert. Eins ist jedenfalls klar: Den Begriff Zip Tone dürfte man ab jetzt jedenfalls nie mehr mit einem Besetzt-Ton verbinden.
Tracklist:
- Alone
- I Use Yo For My Dreams
- Autumn's Atmosphere
- Time Is Precious
- A Place Of Silence
- Falling
- Stranger
- Your Ghost
- Another Sandman
- One Little Tear
- Fame
- Snowblind
- Alone (Piano Version)
Highlights:
Alone, Autumn's Atmosphere, Time Is Precious, Your Ghost



