
Unabhängigkeitserklärung.
Weezer
Hurley
| Label | Epitaph |
|---|---|
| Vertrieb | Indigo |
| VÖ-Datum | 10.9.2010 |
Zuletzt hat die Band um Rivers Cuomo immer sehr lange gebraucht, um ein Album zu vollenden, welches dann doch wieder nur enttäuschen konnte. Dies aber ist ja auch verständlich. Denn wer mit einem perfekt strukturierten blauen Album debütiert und zwei weitere grandiose Post-Grunge-Powerpop-Longplayer folgen lässt, hat die Indierock-Welt umgehend erobert. Und dies einzig, um dann mit abgeschmackten Pop-Metal-Attacken und verniedlichtem Stadionrock zu punkten versuchen. Nach dem grünen Album zielt Weezer am Geschmack des zuerst bezauberten Publikums vorbei. Nur böse kann Cuomos Band niemand sein, denn weiterhin ist Weezer eine Ausnahmeerscheinung, eine nerdige Offenbarung mit lauten Gitarren, sehnsuchtsvollen Texten, beglückenden Mitsingmelodien.
Genervt haben viele Songs, die auf Sensationen wie Say It Ain´t So, No One Else, In The Garage, Why Bother?, Pink Triangle, The Good Life, Island In The Sun, O Girlfriend, Don´t Let Go oder Photograph gefolgt sind. Mit Raditude aber, dem bisher letzten Album, sind nun andere Töne angeschlagen worden. Dancefloor, Hip Hop und der Sound des gegenwärtigen Mainstream-Pop haben mitspielen dürfen. Erneut ist das Publikum gespalten gewesen. Mittlerweile aber hat es geheißen: Goodbye, Majorlabel. Nun sind Weezer eine Epitaph-Band: Hello, again Erwartungshaltung.
Eine Annäherung an typische Epitaph-Bands wie Bad Religion, NoFX, Rancid oder Pennywise findet mittels Hurley nur sehr bedingt statt. Zwar röhren die Gitarren bei Weezer auch wieder wie in den Neunzigern, doch auffälliger ist die Wendung zu den twangenden, klimpernden Sixties - Run Away - und sorgfältig anschwellenden Bombast-Balladen: Unspoken. Tolle Mitsingstücke, in die es lohnt sich zu verlieben, sind diese sowieso. Doch auch die lauteren, fast schon klassischen Weezer-Songs, mit knackig konturierten Rockriffs und lieblichen Backgroundchören, gelingen: Brave New World, Hang On, Trainwrecks, Ruling Me. Kitsch ist aber längst nicht mehr unter den fetten Verzerrerakkorden verborgen, sondern mischt deutlich mit, wie das Orchestrale in Hang On.
Eine Rückkehr zur musikalischen Vergangenheit vermeidet auch Hurley somit konsequent. Cuomo kann sich wohl einfach nicht durchringen, zu einer erneuten Umarmung des klassischen Indierock. Lieber nimmt er Drummachine-Pop und Discoelemente - Smart Girls - oder eine niedliche wie stumpfe, schlagerhafte Hooligan-Hymne wie Time Flies mit ins Repertoire auf. Sein Herz für Soccer hat Coumo längst entdeckt, dies verriet bereits der offizielle WM-Song des US-Teams: Represent – enthalten auf der Deluxe Edition des Hurley-Albums. Weezer bleibt einladend vielgestaltig, weit weniger introvertiert, aber weiterhin die liebenswerte Cuomo-Combo, die verlockende wie grundsympathische Dreiminüter zaubert.
Tracklist:
- Memories
- Ruling Me
- Trainwrecks
- Unspoken
- Where´s My Sex?
- Run Away
- Hang On
- Smart Girls
- Brave New World
- Time Flies
Highlights:
Hang On, Smart Girls, Unspoken



