
Direkt in Richtung Ausfahrt
Tribes
Baby
| Label | Island |
|---|---|
| Vertrieb | Cooperative Music/Universal |
| VÖ-Datum | 27.1.2012 |
"Wir sind an einem Punkt angelangt, an wir nicht mehr herum experimentieren wollten", sagt Johnny Lloyd, Sänger der englischen Tribes. Schade eigentlich. Denn mit ein bisschen mehr Willen und Mut zum Experiment hätte Baby ein wirklich gutes Album werden können. Es ist das Debüt der Band aus Camden, hört sich aber mit der Zeit an, als ob es von alten abgedroschenen Hasen geschrieben wurde. Das hört sich schlimmer an, als es ist.
Denn Baby beginnt schlicht hervorragend. Erst Whenever, wo sich der Hang zu den Pixies nicht nur direkt breit macht, sonder auch bezahlt. Backgroundgesänge, starker Refrain, bloß natürlich nicht ganz so kauzig. So würden sich die Pixies anhören, wenn sie versuchen würden, ihren Indie in modernen Pop zu überführen. Mit We Were Children verneigen sich Tribes dann nochmal ein Stückchen weiter gen Boden vor den Helden der 90er Jahre. Der Song hört sich ein wenig an wie Where Is My Mind, aber warum "Kopie!" schreien, wenn man "Hommage!" sagen kann?Das Problem des Quartetts: Schon ab dem dritten Song geht es bergab. Nicht steil zwar, sondern eher wie im Parkhaus. Tribes verbringen immer ein bis zwei Songs in einer Etage, folgen dabei aber natürlich dem Ausfahrt-Schild und fahren deshalb tiefer. Corner Of An English Field und Halfway Home sind besinnlich, gemahnen schon eher an Young Rebel Set - allerdings sind deren Songs nicht so vom Schmalz bedroht wie die von Tribes. Mit der aktuellen Single Sappho machen die Engländer nochmal Hoffnung, die Kurve nach unten zu verpassen, auch wenn bis dahin jeder Hörer das Laut-Leise-Schema kapiert haben sollte. Danach lassen Tribes sich treiben in austauschbaren Indierock (When My Day Comes) und fast peinlichen Halbballaden. Den Kampf gegen den Schmalzfaktor haben sie auch längst verloren (Nightdriving).
Aber interessant: Tribes bleiben äußerst radiokompatibel. Am Ende könnten sie viele Hörer mit ihrer Geradlinigkeit auf halben Weg aus dem Parkhaus verlieren. Nur könnten noch viel mehr auf der Fahrt zusteigen. Dann müsste man Johnny Lloyd gratulieren zu seiner Entscheidung.
Tracklist:
- Whenever
- We Were Children
- Corner Of An English Field
- Halfway Home
- Sappho
- Himalaya
- Nightdriving
- When My Day Comes
- Walking In The Street
- Alone Or With Friends
- Bad Apple



