
Exotisches Freudenhaus
Susanne Sundfør
The Brothel
| Label | Grönland |
|---|---|
| Vertrieb | Rough Trade |
| VÖ-Datum | 20.5.2011 |
Irgendwie haben wir uns daran gewöhnt, dass aus den Regionen, die nördlich unseres Landes liegen, eine Menge talentierter Musiker kommen, oder doch zumindest darauf warten, auch hierzulande, entdeckt zu werden. Eine dieser Künstlerinnen aus der Kategorie "Talent, das entdeckt werden will", ist Susanne Sundfør. In ihrer Heimat Norwegen ist die in Oslo lebende Künstlerin quasi schon auf dem Weg zum echten Star zu avancieren, nachdem sie letztes Jahr mit ihrem bereits dritten Album in ihrem Heimatland, The Brothel, den Longplayer ablieferte, der sich dort am zweitbesten verkaufte. Und auch die Kritiker überschlagen sich fast, wenn es darum geht, die Qualitäten von Susanne Sundfør zu beschreiben oder Preise zu vergeben.
In Deutschland hingegen ist ihr drittes Album so etwas wie ein Debüt, denn erst nachdem Frau Sundfør mit Grönland, dem Label von Herbert Grönemeyer, einen Vertrag geschlossen hat, schwappt The Brothel, mit einiger Verzögerung, auch über die Landesgrenzen von Norwegen. Es ist ihre erste große, internationale Präsentation - und die hat es durchaus in sich. Das fängt bereits beim Titel an, der übersetzt das Freudenhaus meint, und zunächst andere - musikalische - Assoziationen weckt, als sie der Titeltrack und Opener dann offenbart. Das wiederum ist ein wiederkehrendes Element, denn die Fährten, die Susanne Sundfør musikalisch legt, führen teilweise dann doch etwas in die Irre. Im positiven Sinne allerdings. Streicher gehen mit pulsierenden Drum-Sounds auf Tuchfühlung, Synthesizer treiben durchs Stereopanorama, um dann von der Akustik-Gitarre sanft, träumerisch abgelöst zu werden, Klavierklang geht mit Sounds aus dem Industrial-Bereich einen harmonischen Kontrast ein oder das sanft klingende Vibraphon wird die Vorlage für treibende Percussions-Elemente.
Und doch ist damit noch nicht beschrieben, wie Susanne Sundfør mit ihr Stimme schwebend, ja fast erhaben, diese musikalische Materie zusammenführt, die im Ergebnis sowohl bezaubernd verzaubernd wie impulsiv mitreißend wirkt. Kategorisieren lassen will sich The Brothel letztlich kaum. Ein Album, was irgendwie entrückt und exotisch ist und doch gleichzeitig eine Vertrautheit mit sich bringt. Es ist speziell wie individuell und doch eine Empfehlung für ein breites Publikum. So wie ein Freudenhaus eben. Nur anders.
Tracklist:
- The Brothel
- Lilith
- Black Widow
- It's All Gone Tomorrow
- Knight Of Noir
- Turkish Delight
- As I Walked Out One Evening
- O Master
- Lullaby
- Father Father



