
Die Quelle, die nie versiegt.
Spermbirds
A Columbus Feeling
| Label | Rookie Records |
|---|---|
| Vertrieb | Cargo Records |
| VÖ-Datum | 3.9.2010 |
Heute machen sie es nur noch aus Spaß. (Eigentlich war das schon immer der einzige Grund.) So heißt es jedenfalls in einem aktuellen Statement einer der wichtigsten und einflussreichsten Bands, wirft man einmal einen Blick auf die Geschichte deutscher Punkmusik. Diesen Status haben die Spermbirds wohlweißlich ihrer Einzigartigkeit zu verdanken. Musikalisch und in Deutschland immerhin. Denn wo Slime, Toxoplasma und all die anderen ihre Inspiration vor allem von der Insel schöpften, atmeten die Spermbirds-Songs Black Flag, Minor Threat, die Dead Kennedys, die Circle Jerks; eben jene amerikanischen Hardcore Punk-Bands der ersten Stunde.
Ihr großartiges Debüt Something To Prove hätte gut und gern geradewegs aus dem East Bay stammen können und nicht ausgerechnet aus Kaiserslautern. Es strotzte vor Wut und Power, war schnell, hart, angepisst und kompromisslos. Allem voran stand der ursprünglich aus Amerika stammende Sänger Lee Hobson Hollis. Ein Energiebündel sondergleichen und - nicht nur, was dessen unverwechselbare Stimme angeht - ohne jede Übertreibung der Jello Biafra der deutschen Punkszene.
Heute, gut 25 Jahre nach dem ersten Album, können die Spermbirds auf eine bewegte Bandgeschichte zurückschauen. Ein Sängerwechsel, den so manch einer lieber ganz schnell wieder vergessen möchte, die Auflösung der Band Ende der 90er Jahre und die Neuformierung unter Hollis zwei Jahre später.
A Columbus Feeling ist das zweite Album nach ihrer Wiedervereinigung und es tut gut, zu hören und letztendlich auch zu fühlen, dass sich nicht allzu viel verändert hat. Denn es gibt sie noch die unbändige Wut auf all das, was falsch läuft und den Willen, diese mit aller Kraft herauszubrüllen. Was die Spermbirds nach nun mehr als einem Vierteljahrhundert auf das zwangsläufig schwer begeisterte Publikum loslässt, ist Hardcore-Punkrock in seiner Reinform. Hollis schreit und schreit und singt sich hier alles von der Leber, was sich seit dem Vorgängeralbum Set An Example angestaut hat. Über das Ausmaß wird sich wohl kaum jemand wundern, der den Sänger schon einmal live erleben durfte. Wut - so erscheint es - ist die nie versiegende Quelle des Sängers. Aus ihr schöpft er eine Energie, die den Hörer seit jeher und noch immer permanent von den Socken haut.
Musikalisch drängt es erwartungsgemäß rockiger nach vorn - die konsequente Weiterentwicklung der Band seit jeher. Den musikalischen Wurzeln widmet sich Hollis lieber in seinem Nebenprojekt Steakknife. Dennoch ist A Columbus Feeling sehr ursprünglich. Das Album lebt nicht durch klangliche Finessen oder instrumentale Spielereien. Es lebt durch Ehrlichkeit und einen ungetrübten Blick fürs Wesentliche. Die Quintessenz der Punkmusik in den 80er Jahren also. Und gerade deshalb ist die "gute alte Zeit" in jedem Takt, ja, in jeder Note der Songs zu spüren.
Seinen Stellenwert und Status verdankt das Quintett letztendlich in erster Linie ihrem Frontmann. Ohne Lee Hollis wären die Spermbirds nicht die Spermbirds. Aber schließlich wären auch die Dead Kennedys ohne Jello Biafra nie das geworden, was sie heute für uns sind. Im Gegensatz zu den Amerikanern haben die Spermbirds es geschafft, sich zusammenzuraffen und letztendlich auch zusammenzuhalten und sind deshalb heute glücklicherweise kein billiger Abklatsch ihrer selbst, sondern eine Band, die auch noch nach 25 Jahren das tut, was sie liebt und was ihr hörbar einen Heidenspaß macht. Die großartigen Alben kommen dann ganz von allein.
Tracklist:
- Matter Of Fact
- Columbus Feeling
- Stack & Piles
- Meet Me In The Middle
- Can't Live Without It
- Black In A Rainbow
- Choose Not to Look
- Legend Of The Honest Man
- A Cliff To Jump Off Of
- Try And Stop Us
- Strategy For Victory
- Let Me Think
- Honestly
Highlights:
Matter Of Fact, Black In A Rainbow, Choose Not to Look



