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Interpol
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Quarterlife-Crisis-Pop

In Farbe

Revolverheld

In Farbe

LabelSony Music
VertriebSony Music
VÖ-Datum12.3.2010

Nein, Mainstream ist per se nichts Schlechtes, auch nicht als Musikrichtung. Schon die Beschreibung "Pop" definiert seine Musik ja fast als Teil dessen. Und Revolverheld, diese größtmögliche ursprünglich kleiner deutscher Indiebands (über ihren alten Bandnamen Tsunamikiller reden wir lieber nicht), haben die Gitarre in den Charts erst wieder salonfähig gemacht. Der Mainstream-Vorwurf funktioniert nicht: Nirgendwo anders wollten Revolverheld mit eingängigen Allgemeinplätzen wie Mit Dir Chill'n, der Teilnahme am Bundesvisionssongcontest oder Helden, dem Song zur Fußball-EM 2008, hin. Kommerziell erfolgreicher als Revolverheld sind aus diesem Lager nur die Sportfreunde Stiller, Juli oder Silbermond. Ihr jetzt erscheinendes drittes Album In Farbe führt diese Corporate Identity eindrucksvoll weiter.

Schon ihre ersten beiden Alben Revolverheld (2005) und Chaostheorie (2007) deuteten an, dass Revolverheld für den deutschen Markt das sind, was Three Doors Down für den amerikanischen sind: Die breit vermarktbare Version von handgemachter Musik. Auch auf In Farbe trifft Hochglanzrock auf pseudoemotionalen Gitarrenpop. Johannes Strate, Kristoffer Hünecke, Niels Grötsch, Jakob Sinn und Florian Speer wissen, wie das funktioniert. Und weil sie selbst heute alle auf die 30 zugehen, wissen sie, wie sie sich anfühlt, die Quarterlife-Crisis eines eigentlich so guten Lebens, die sie da besingen: Songs heißen Ich werde nie erwachsen, Mein Leben ist super, Immer einen Grund zu feiern oder Die Liebe liebt mich nicht. Und weil die Botschaften dahinter genauso einfach wie ehrlich sind und sich zwischen Optimismus und Zweifel egalisieren, funktionieren Revolverheld auch 2010: In Farbe holt seine Zielgruppe seinen Hörer da ab, wo er nie sein wollte: Studium fertig, bald 30, im 9 to 5-Dayjob, zwischen Nicht-erwachsen-werden und Sein-Müssen, kurzum: im Mainstream.

"Wir lassen Hamburg hinter uns, auf nach Los Angeles ohne Grund", singt Strate in Hamburg hinter uns, seinem balladesken und Clueso-ähnlichen Beitrag zum deutschen Roadmovie-Soundtrack. Wenn so die Rebellion und die Liebe der Mittelklasse klingen, dann kann es ihrer Generation nicht schlecht gehen. Fakt ist: Wahrhaftige Probleme oder wahnwitzige Ideen, in der Legendenbildung der Rockmusik seit jeher Gradmesser der Relevanz des jeweiligen Outputs, führen Strate und Co. also auch auf In Farbe nicht spazieren. Die von dir und mir schon. Und so funktioniert gut konzipierter Mainstream allemal.

Tracklist:
  1. Ich Werde Nie Erwachsen
  2. Spinner
  3. Mein Leben Ist Super
  4. Halt Dich An Mir Fest
  5. Immer Einen Grund Zu Feiern
  6. Alles Anders
  7. Darf Ich Bitten
  8. Keine Liebeslieder
  9. Alles Wird Gut
  10. Die Liebe Liebt Mich Nicht
  11. Laute Menschen
  12. Um Unser Leben
  13. Hamburg Hinter Uns
Unsere Bewertung:
5 von 10