
Der Geschichte(n)-Erzähler
Radical Face
The Family Tree: The Roots
| Label | Nettwerk |
|---|---|
| Vertrieb | Soulfood |
| VÖ-Datum | 27.1.2012 |
Ben Cooper liebt Geschichte(n). Er liebt es, sie in sich aufzusaugen und neue auszuspucken. Er liebt es, sie aufzuschreiben und mit Musik lebendig zu machen. Und hätte eine kaputte Festplatte nicht zwei Romane von ihm ins ewige Datennirwana befördert – er wäre wohl Schriftsteller geworden. So war der Plan. Nun, es kam anders. Unter dem Künstlernamen Radical Face macht der Singer-Songwriter aus Jacksonville, Florida mittlerweile schon seit rund einem Jahrzehnt solo Musik und schafft melancholischen Indie-Folk. Doch auch als Liederschreiber ist für ihn alles untrennbar mit Geschichte(n) verknüpft...
Während sein elektronischer ausgerichtetes Bandprojekt The Electric President inhaltlich einen Blick in die Zukunft wirft, auf das, was noch kommen könnte, ist sein Solo-Werk als Radical Face nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich rückwärtsgerichtet. Ghost (2007) befasste sich mit dem Gedanken, dass Häuser all das speichern, was einmal in ihnen passiert ist, und erzählte nach und nach einige dieser Geschichten, manche sogar aus der Sicht der Häuser. Coopers neues Album The Family Tree: The Roots ist der erste Teil einer im 19. Jahrhundert angesiedelter fiktiven Familiensaga, an der er sieben Jahren lang feilte. Ahnentafeln hat er dafür studiert, einen Stammbaum erstellt und sich mit Geschichte auseinandergesetzt Alles in allem, so sagt er selbst über sein jüngstes Werk, sei der Frage nachgegangen, woher die Dinge und Ereignisse kommen, die uns prägen. Wie schon bei Ghost lohnt es sich, auch bei The Roots genau zuzuhören.
Ben Cooper ist ein starker Geschichte(n)-Erzähler. Er weiß, wie er mit kleinen Worten Großes beschreiben kann. Er weiß, womit er auf schlichte Art und Weise Atmosphäre schafft. Er weiß zu fesseln und zu berühren, ohne dabei jemals kitschig zu werden. Teil eins der geplanten The Family Tree-Trilogie steckt voller starker, sich auftürmender Melodien, die sich aus einem schier unerschöpflichen Repertoire aus Klanginstrumenten speisen. So verbindet der Amerikaner allein in The Pound Of Flesh sein schlichtes Gitarren- und Klavierspiel mit dezent eingesetzten Streichern, rhythmischem Klatschen und dem Zirpen von Grillen. An anderer Stelle greift er auf die hymnische Kraft eines Chores zurück, setzt hier eine Melodica und da Schellen ein. Die letzte Lücke, die es bei diesem (sehnsuchts)vollen, dichten Sound noch geben könnte, schließt Ben Cooper mit seiner samtweichen Flüsterstimme, die seine Kompositionen umschmeichelt und mit Gefühl füllt.
Das neue Album von Radical Face ist so gut, weil es zunächst klein und bescheiden wirkt und mit jedem Durchgang mehr über sich hinaus wächst. Weil sich, wie in der Geschichte, das Verständnis für die größeren Zusammenhänge erst bei näherer Betrachtung offenbart. Und weil es einen dann von Anfang bis Ende in seinen Bann zieht...
Tracklist:
- Names
- A Pound Of Flash
- Family Portrait
- Black Eyes
- Severus And Stone
- The Moon Is Down
- Ghost Towns
- Kin
- The Dead Waltz
- Always Gold
- Mountains
- All Is Well (It's Only Blood)
- All Is Well (Goodbye, Goodbye)
- We're On Our Way
Highlights:
A Pound Of Flash, Ghost Towns, Severus and Stone, Always Gold



