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Kuchen backen mit den Race Horses

Goodbye Falkenburg

Race Horses

Goodbye Falkenburg

LabelPlastic Fantastic
VertriebRough Trade
VÖ-Datum30.4.2010

Bands mit dem Hang zum Experimentellen sollten nach Wales ziehen. Oder zumindest – wenn ihnen das idyllische Landleben zuwider ist – Walisisch erlernen, denn Walisisch klingt ungemein experimentell. Es klingt in etwa so wie die vermeintliche "Paul is dead"-Zeile vom Sergeant Pepper-Album der Beatles: irgendwie falsch herum oder wie eine ganz verschrobene Ausformung des Moldawischen. Gut für die Race Horses, dass sie sich dem experimentellen Trash-Indie-Pop verschrieben haben und dann auch noch im walisischen Cardiff beheimatet sind. Der walisische Einschlag steht ihnen gut und macht Goodbye Falkenburg zu einem äußerst gelungenen Debüt.

Auch wenn einige Songs des Albums von Meilyr Jones in Walisisch gesungen werden, steht Goodbye Falkenburg eindeutig in der Indie-Pop-Tradition der größeren Britischen Inseln. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sich Jones Gesang ein bisschen so wie Pete Dohorty, Jarvis Cocker und Stuart Murdoch von Belle And Sebastian in einem anhört – mit walisischem Akzent versteht sich. Und auch musikalisch sind die Race Horses zuweilen den Babyshambles oder Belle And Sebastian sehr ähnlich. Trotzdem schaffen sie es, ihrer Musik eine ganz eigene Note zu verleihen. Vielleicht liegt das an der fulminanten Mischung aus schrammelnden Indie-Gitarrenriffs, psychedelisch-irren Glockenspielen und Bläsern in bester Sea Shanty-Manier –  und natürlich, nicht zu vergessen, am walisischen Akzent. Manche Stücke wie das hornlastige und von Chorgesang bestimmte Captain Penelope Smith erinnern stark an Yellow Submarine der Beatles gepaart mit dem trockenen Humor Monty Pythons. Die Schifffahrt und das Meer scheinen für die Race Horses sowieso von großer Bedeutung zu sein: Das Album wurde nach dem deutschen Seefahrer Falkenburg benannt, der auf rauer See Schiffbruch erlitt und in den tosenden Fluten starb. Dem tragischen Namenspaten zum Trotz ist Goodbye Falkenburg alles andere als dramatisch. Die Band beweist des Öfteren einen augenzwinkernden Humor, wenn sie beispielsweise auf dem locker-leichten 60ies Song Cake das Kuchenbacken als Metapher für eine heiße Liebesnacht verwenden: "We like baking all night long. We share our love with everyone" oder auf dem groovy Scooter die Vorzüge des Rollerfahrens besingen. Die besondere Würze erhalten die vorwiegend Mid-Tempo Songs durch experimentelle Synthi-Klänge oder ausgefallene musikalische Zwischenspiele wie ein kurz aufklingendes Glockenspiel oder ein gekonnt eingesetztes Streicherarrangement.

Der Legende nach entstieg Seemann Falkenburg nach 100 Jahren dem Meeresgrund und ging an Land, um sich eine Braut zu suchen. Ob er bei seiner Suche in den Weiten Wales auf die Race Horses getroffen ist, ist zwar kaum möglich. Wenn er sie getroffen und ihrer Musik gelauscht hätte, wäre er nun sicherlich ein gut gelaunter Geist – und mit der Braut hätte es wahrscheinlich auch geklappt.

Tracklist:
  1. Man In My Mind
  2. Cake
  3. Pony
  4. Isle Of Ewe
  5. Cacen Mamgu
  6. Glo Ac Oren
  7. Voyage To St Louiscious
  8. Discopig
  9. Man In My Mind (In A Party Near You)
  10. Scooter
  11. Intergalactiv Space Rebellion
  12. Captain Penelope Smith
  13. Marged Wedi Blino
Highlights:

Man In My Mind, Cake, Captain Penelope Smith

Unsere Bewertung:
7 von 10
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