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Polkaface

Polkaholix

Polkaface

LabelMonopol
VertriebDA Music
VÖ-Datum6.8.2010

Da spricht man gerade von Berlin als Hauptstadt, an dessen musikalisch kreativem Output sich regelmäßig die Kritikergeister scheiden. Auf einmal fällt einem das neue und damit dritte Werk der Polkaholix in die Hände und man weiß nicht: Soll man lachen oder weinen? Vielleicht beides? Und wenn ja: In welcher Reihenfolge?

Ein polkaholischer Feldversuch am eigenen Leibe führte zu folgendem "wissen-schaftlichen" Ergebnis:

Das Gefühlschaos, das die acht Jungs aus Berlin mit ihrer Mischung aus vornehmlich Polka, Balkan, Ska, Rock und noch ca. 37 anderen Musikrichtungen im Hörerkörper hervorrufen, lässt sich in drei grundlegende Phasen einteilen.
1. Phase (1. Hördurchgang): ungläubiges Lachen darüber, dass eine Band tatsächlich drei Alben mit Polkamusik füllen kann. Das Trash-Potential von Polkaface ist auf den ersten Blick enorm, der Volksmusikanteil beängstigend hoch, aber zunächst amüsant. Das ändert sich schlagartig in Phase 2 (Hördurchgang zwei): Der Volksmusik- und Schlageranteil wird in einzelnen Stücken (Weißes Boot, Hans Bleib Da) beinahe unerträglich. Zuweilen wähnt man sich in einem überfüllten Bierzelt im Ski-Urlaub mit hunderten gröhlenden Personen, das Lachen vergeht gründlich. Und zwar so lang bis schließlich Phase 3 (dritter. oder vierter Hördurchgang) erreicht worden ist: Ein paar der Songs sind nach wie vor vermutlich nicht mal betrunken zu ertragen, doch einige der besseren findet man inzwischen gar nicht so verkehrt. Das Fußwippen ist ab und an nicht mehr zu unterdrücken und erschreckenderweise singt man heimlich sogar mit.

Fazit: Polkaface kann furchtbar anstrengend werden. Bei in sich immergleichen Drei-Minuten-Songs ist die Textaussage oft minimal und strotzt vor Zwangsreimen. Die Volkstümlichkeit und das Schlagerhafte sind - auch trotz sehr professioneller Umsetzung - oft eine Zumutung. Und doch kann man einer Hand voll Songs ihren hohen Unterhaltungswert nicht absprechen. Die eine oder andere Melodie hat man durchaus gern als Ohrwurm und ihren Ruf als sehenswerte Liveband nimmt man den Polkaholix auch auf Polkaface ohne Zögern ab. Leider macht das allein noch keine gute Platte.

Tracklist:
  1. VIPs
  2. Hans Bleib Da
  3. S.C.H.E.I.D.U.N.G.
  4. Polka Face
  5. Ich Kann Dich Nicht Mehr Leiden
  6. Weißes Boot
  7. Hypothekenpolka
  8. Dumm Gelaufen
  9. Heut' Nacht (Küss Mich Polka)
  10. Anna Lassmichrein Lassmichraus
  11. Spare Ribs
  12. Aber Manchmal
  13. Tritsch-Tratsch Polka (Op. 214)
Highlights:

Polka Face, Heut' Nacht (Küss Mich Polka), Aber Manchmal

Unsere Bewertung:
4 von 10
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