
Die Zeichen der Zeit
Pearl Jam
Backspacer
| Label | Island |
|---|---|
| Vertrieb | Universal |
| VÖ-Datum | 18.9.2009 |
Pearl Jam! Bestehen noch Fragen? Eigentlich keine?! Vielleicht wäre da doch eine zu klären: wie schaffen sie es, so frisch zu klingen? Oder auch womit? Wodurch? All diese Fragen bedürfen keiner Antwort, denn das Ergebnis spricht. Backspacer führt geradewegs in kürzester Form hochexplosiv in Pearl Jams straighte Antwort - elf Songs in nur knapp 37 Minuten sind für die Seatller Minusrekord.
Auf Backspacer lassen Pearl Jam zunächst nichts anbrennen. Die ersten vier Songs knallen nach vorn, als würden sie ihr Punkrock-Grunge-Debüt hinlegen und die Stellung Eddie Vedders als leitender Ramones-Fan unterstreichen wollen. Gonna See My Friend, Got Some, The Fixer und Johnny Guitar schnellen eine viersätzige Breitseite an und erst Just Breathe führt in den Solo-Ausflug des Soundtracks Into The Wild. Die Stimme des Sängers zeigt sich auch auf Backspacer extrem wandelbar und hat den hohen Erkennungswert, den eine Band wie Pearl Jam braucht, um solch Balladen wie Just Breath den entscheidenden Kick geben zu können. Die Grunge-Legende vermittelt keine Alterserscheinungen, sind weit entfernt einer Selbstparodie, stellen selbstbewusst eine Macht dar und strotzen vor Zielsicherheit, die richtige Gesangslinie und den mitreißenden Chorus zu setzen.
Diese Band schwächelt einfach nicht und schon gar nicht mit Backspacer. Seit ihrem Debüt haben sie nur ein einziges Mal eine Art von Schulterzucken hervorgerufen und auch dieses Ereignis liegt mit Yield im Jahre 1998 bereits zehn Jahre zurück. So eingängig die erste Hälfte Backspacers auch ist, nimmt die zweite Hälfte deutlich mehr Zeit in Anspruch, um dem schnell fassbaren Start zu folgen. Doch nach und nach erreichen nach dem langsamen und dynamisch epischen Amongst The Wave, auch die Stadion taugliche Hymne Unthought Known und der obligatorische Pearl Jam-Schmachter The End die hohen Vorgaben der ersten fünf Songs. Lediglich der übereinfache Rocker Supersonic bleibt abgeschlagen auf der Strecke.
Das Interesse an Pearl Jam scheint so groß wie lange nicht mehr zu sein. Ob daran auch immense Erwartungen verknüpft waren und in welcher Weise diese mit dem Interesse verbunden sind, verschwindet hinter der trügerischen Hipness dieses Acts. Trügerisch, weil Pearl Jam mit ihrem Debüt Ten direkt den Zenitpunkt setzten und ein ums andere Mal würdige Nachfolger darboten. Und auch wenn Pearl Jam mit diesem Album immer mehr Mainstream mit ihrem Stil mischen, hegen sie sorgfältig ihren Bann. Auch mit Backspacer.
Tracklist:
- Gonna See My Friend
- Got Some
- The Fixer
- Johnny Guitar
- Just Breathe
- Amongst The Waves
- Unthought Known
- Supersonic
- Speed Of Sound
- Force Of Nature
- The End



