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Live In Reading

Nirvana

Live In Reading

LabelGeffen
VertriebUniversal
VÖ-Datum30.10.2009

Das Album Nevermind ist vor gerade einmal elf Monaten erschienen. Allerdings hat es bereits im August 1992 das Leben von Krist Novoselic, Dave Grohl und Kurt Cobain komplett verändert. Ebenso die Chartkompatibilität von alternativer Rockmusik. Die Aufregung um Seattles Musikszene bricht los und macht Grunge über Monate zu einem Zauberwort. Während des Sommers spielen Nirvana, wie bereits im Jahr zuvor, auf diversen europäischen Festivalbühnen. Am 30. August, Mudhoney, die Melvins und L7 sind ebenfalls zugegen, wird das Reading Festival gerockt.

Einigen sind bestimmt noch bewegende Bilder des Gigs in Erinnerung, von Festival-Features im Musikfernsehen oder der Compilation-DVD Live! Tonight! Sold Out! Diese machten bisher allerdings lediglich einzelne Songs konsumierbar. Nun kann das ganze Konzert nacherlebt werden. Live At Reading lässt keinen Augenblick aus.

Über die Bedeutung, den Werdegang oder einzelne Mitglieder des nordamerikanischen Trios Nirvana zu schreiben, darauf kann sicherlich verzichtet werden. Wer Nachholbedarf verspürt, greift zu Everett Trues Bandgeschichtsbuch. Trotzdem erscheint der Nevermind-Folge-Rummel um die Gruppe noch heute verwirrend, schwer nachvollziehbar und abwegig.
Zwar sind diese Songs simpel gestrickt und leicht memorierbar, rocken kompakt und durchaus heftig. Doch auf der Bühne sind Grohl, Novoselic und Cobain perfekt funktionierende Protagonisten einer unterhaltsamen Rockshow für ein Entertainment-süchtiges Massenpublikum. Große Gesten und populäre Posen karikiert die Band; ironisiert das ganze alberne Gehabe der Showbusiness-Größen. Die Sperrung Vereinnahmungsversuchen gegenüber und die aggressive Verweigerung wuchtet gerade Cobain immer wieder vor die von ihm lautstark bedröhnten Zuschauenden.

In Reading beginnt diese Inszenierung einer Inszenierung eines Rockkonzerts bereits während der einleitenden Vorbereitung des eigentlichen Konzerts. Im Rollstuhl wird Cobain auf die Bühne geschoben, Perücke und Kittel verschleiern seine Person. Er intoniert eingangs eine Ballade – The Rose, auf dem Sub Pop-Sampler Sub Pop 200 in einer Mudhoney-Version zu hören –, ohne musikalische Begleitung. Dann stürzt er bereits nach dem ersten Vers, bleibt regungslos liegen. Für lange Sekunden. Darauf folgt dann aber tatsächlich ein intensives Set, einer gut vorbereiteten Rockband, die bisweilen schlurig agiert und ganz bewusst ungelenk das eigene Können vertuscht.

Das Set umfasst fünfundzwanzig Lieder, darunter sämtliche Tracks des Erfolgsalbums Nevermind Something In The Way ausgenommen. In bester Bild- und Tonqualität bietet das Trio dem Publikum von damals und heute, was es verlangt. Einige gesangliche Entgleisungen und gitarristischen Patzer kann Cobain sich indes nicht verkneifen. Auch die Abschluss-Zerschmetterorgie zelebriert die Band routiniert, ohne Hektik und ausgiebig. Wer die Band nie derart erleben durfte, bekommt also einen recht guten Eindruck davon, wie es gewesen sein könnte. Anderen bleibt auch die Erinnerung, beispielsweise an eine spektakuläre Tournee im Vorprogramm von Sonic Youth.

Tracklist:
  1. Breed
  2. Drain You
  3. Aneurysm
  4. School
  5. Sliver
  6. In Bloom
  7. Come As You Are
  8. Lithium
  9. About A Girl
  10. Tourette´s
  11. Polly
  12. Lounge Act
  13. Smells Like Teen Spirit
  14. On A Plain
  15. Negative Creep
  16. Been A Son
  17. All Apologies
  18. Blew
  19. Dumb
  20. Stay Away
  21. Spank Thru
  22. Love Buzz
  23. The Money Will Roll Right In
  24. D-7
  25. Territorial Pissings
Highlights:

Negative Creep, Territorial Pissings, D-7, Spank Thru

Unsere Bewertung:
6 von 10
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