
Flutwelle
The National
High Violet
| Label | 4AD / Beggars Group |
|---|---|
| Vertrieb | Rough Trade |
| VÖ-Datum | 7.5.2010 |
Die medialen Wellen wiegen hoch. Kaum ein Tag ohne weitere Neuigkeiten zu The National. Nicht ohne Grund. Wer sowohl von Fans wie auch von Kritikern derart bewundert wird, wer sich nach den Platten Alligator und The Boxer anschickt, nun schon das dritte nahezu perfekte Album in Serie zu veröffentlichen, der darf sich nicht wundern, wenn die Wellen in den Foren krachend zusammen fallen; nur um sich sogleich wieder neu zu formieren. Die Wahl-New-Yorker dürfen sich das Schauspiel gelassen ansehen. High Violet, ihr fünftes Album, erfüllt alle Erwartungen.
„It takes an ocean not to break“ singen die Amerikaner schon im grandiosen Opener Terrible Love. Sie selbst könnten dieser Ozean sein. In sich ruhend, doch unberechenbar, eine wunderschön eigene Welt, die aber gewissen Regeln folgt, groß und majestätisch und doch Schauplatz intimster Momente. Songs von The National sind so im besten Sinne strukturiert und durchdacht. Es scheint keinen Ton zu geben, der nicht genau an diese Stelle zu gehören hat. Kein Bruch, der einen Song überraschende Wendungen nehmen ließe und diese im Nachhinein unlogisch wären. Und doch schaffen sie bei all dieser Perfektion im Auftreten, an den Instrumenten, in den Arrangements, das Herz eines Songs frei zu legen. Seien es wabernde gegen klare Gitarren im Opener, ein dunkles Piano wie in England, dezente Streicher und Bläser in Runaway oder das unglaubliche Drumming von Bryan Devendorf, der den Songs oft die entscheidende Struktur gibt, ihnen das Besondere im Bestehen verleiht.
Dazu fügt sich Matt Berningers charismatisches Bariton, der fast zurückhaltend seine Texte in das musikalische Firmament bettet. Texte um Liebe und Angst, Leben und Mensch sein. Er findet dabei Worte, die sich fern ab von der gebräuchlichen Phrasenbildung befinden: „I figured out what we're missing / tell you miserable things after you are asleep“ (Conversation 16) oder „What makes you think I´m enjoying being led to the flood / We got another thing coming undone / And it´s taking us over“ (Runaway), um nur zwei Zitate aus dem Kontext zu reißen. Berningers Gesang und seine Texte geben den Songs in ihrer Perfektion den Zweifel und die Zerbrechlichkeit zurück und lassen High Violet zu einer sinnlichen Erfahrung werden.
The National machen es den Fans und ihren Kritikern mit diesem Album einfach. Nach den ganzen Gerüchten, den Ankündigungen, den Nachrichtenschnispeln darf das Hören von High Violet als abschließende Welle verstanden werden. Als Flutwelle wohlgemerkt.
Tracklist:
- Terrible Love
- Sorrow
- Anyone´s Ghost
- Little Faith
- Afraid Of Everyone
- Bloodbuzz Ohio
- Lemonworld
- Runaway
- Conversation 16
- England
- Vanderlyle Crybaby Geeks
Highlights:
Terrible Love, Runaway, Conversation 16



