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Standortbestimmung

Nanonotes

MIT

Nanonotes

LabelV2 / Cooperative Music
VertriebUniversal
VÖ-Datum10.9.2010


Wenn jemand dazu aufgefordert wäre, innerhalb kürzester Zeit drei Begriffe zu nennen, die unweigerlich mit modernerer deutscher Musik verquickt sind, dann könnte es gut sein, dass derjenige Krautrock, Neue Deutsche Welle und Elektronik nennen würde. Letzteres, namentlich die elektronisch geprägte Musik, hat eine verhältnismäßig lange, wenn man so will, Tradition und so viele Künstler und Acts aus den verschiedenen Bereichen es da auch gibt, ein Name fällt letztlich wahrscheinlich immer: Kraftwerk.

Nur zu gerne scheint man hierzulande Bands zu entdecken, die quasi in der Tradition der Düsseldorfer Elektronik-Combo stehen; die sich ihres Vermächtnisses annehmen. So geschehen beispielsweise auch bei der Kölner Band MIT. Allerdings lastet man ihnen damit unnötigerweise eine gewisse Bürde auf, denn wie soll jemand aus einem Schatten heraustreten können, den er selber gar nicht sieht.  Nun hat das Kölner Trio das Glück - oder eben auch das vermeintliche Problem - mit Emil Schult, der nun das Konzept zu Nanonotes mit entwickelt und den Entstehungs-Prozeß begleitet hat, Bekanntschaft geschlossen zu haben, denn eben dieser Emil Schult hat in der Anfangsphase kurze Zeit mit seiner Gitarre im Kraftwerk Dampf gemacht und später einige Cover gestaltet und Texte für die Elektronik-Pioniere beigesteuert. Und schon ist die musikalische Patenschaft kreiert.

Aber so sehr MIT und ihre Nanonotes eben elektronisch geprägt sind, so wenig lassen sie sich letztlich auf diese eine musikalische Schiene bringen. Da dürfte der Einfluss von Produzent Jas Shaw von Simian Mobile Disco deutlich prägnanter für das Trio gewesen sein, in dessen Studio sie ihrem Hang zu alten Synthesizern, die wahrscheinlich deutlich eher das Licht der Welt erblickt haben als die einzelnen Band-Mitglieder, in Ruhe nachgehen konnten. Eine Umgebung, die, ebenso wie der Einsatz eines echten Schlagzeugs, sicherlich auch einen großen Teil der Klangästhetik ausmacht und Nanonotes eine, trotz aller Elektronik, organische Ebene verleiht.

Zusammen mit den leicht monotonen Vocals, die hinter den Sounds zurücktreten, schaffen MIT so eine individuelle Gesamtkomposition, die ein wenig so klingt als würde Peter Schilling zusammen mit den frühen Human League Krautrockende Housemusik machen. Und das macht Nanonotes ein wenig zum Versuch einer persönlichen Standortbestimmung vor dem Hintergrund der Frage, wie es MIT selbst formuliert haben, wo die Wurzeln der elektronischen Musik liegen und wohin sie sich weiter entwickeln kann. Ein Versuch, der auch für die Hörer durchaus einige interessante und packende Momente zu bieten hat. Auch jenseits aller Kraftwerkenden Assoziationen.

 

Tracklist:
  1. Hydra
  2. Fieber
  3. Odenwald
  4. Pudong
  5. Nanonotes
  6. Puls
  7. Monomeer
  8. Kopf ein
  9. Figur
  10. Mairie
  11. Univers
Unsere Bewertung:
6 von 10
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