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Die Phantasie wird siegen

Max Prosa

Die Phantasie wird siegen

LabelColumbia
VertriebSony Music
VÖ-Datum27.1.2012

Wer all die jammernden und jankenden Philipp Poisels, die schunkelnden Andreas Bouranis und chillenden Tim Bendzkos der vergangenen zwölf Monate verfolgt hat, mag bei jedem jungen Songwriter-Neuzugang nur noch müde mit den Schultern zucken. Clueso-Schützling Max Prosa, der jetzt mit einiger Verspätung sein Debüt Die Phantasie Wird Siegen auf den Markt bringt, täten diese Übersättigten mit einer reflexartigen Anti-Reaktion nur Unrecht. Denn tatsächlich hat der junge Berliner bis auf die Altersnähe und die zerwuschelte Frisur herzlich wenig mit den Genannten gemein – und für sein Erstwerk jedes Kopfnicken verdient, das er nur kriegen kann.

Ursprünglich hätte das Album des 22-Jährigen bereits im Sommer erscheinen sollen. Ging aber nicht. Warum? "Im Endeffekt lag's an mir, weil ich immer noch was anders und was besser machen wollte und irgendwie noch Zeit gebraucht habe", erklärt Max Prosa im Interview selbst. Erst dann habe er das Gefühl gehabt, sein Debüt sei fertig. Dass er lange daran gefeilt hat, ist den Songs, bei denen sich der Berliner von den Songwriter-Fertigkeiten des Ur-Folkers Bob Dylan oder Rio Reisers inspirieren ließ, nicht anzuhören. Jugendlich-impulsiv kommen sie daher, erzählen mal beim reduzierten Sound einzeln angeschlagener Gitarrensaiten und dem warmen Vibrieren der Mundharmonika, mal bei voll instrumentierten Band-Kompositionen in begreifbaren Worten von universellen Gefühlen und tiefen Sehnsüchten. Nach einem Mädchen, nach Heimat oder auch der weiten Welt.

Dass Max Prosas Songs zwischen stimmungsvoll-emotionalem Folk und melodischen Pop-Refrains nie in Weinerlichkeit oder Kitsch abgleiten, ist neben den poetischen, aber schlicht verfassten, angenehm unverkopften Texten vor allem der lässig vernuschelten Stimme des Berliners zu verdanken. Im Gegensatz zu manch anderem Songwriter, der in letzter Zeit auf der Bildfläche aufgetaucht ist, jammert Max Prosa nicht. Er leidet nicht bis zur Selbstaufgabe, sondern ist subjektiver, kluger, manchmal auch etwas altkluger Beobachter der Gefühlswelt. Den moralischen Zeigefinger erhebt er dagegen nie. Dafür ist der Sänger zu clever. Er will nicht belehren, sondern bewegen: "Die Leute sollen sich in meiner Musik, in meinen Texten wiederfinden können", sagt er selbst. Das ist eine Aufgabe, die ihn reizt. "Dass sich Leute, die nicht die gleichen Sachen erlebt haben, wie ich sie erlebt habe, in diesen Songs wiedererkennen und sich darin aufgehoben fühlen."

Kabarettistin und Moderatorin Ina Müller hat sein Talent als Songwriter und Sänger als eine der Ersten in der breiten Öffentlichkeit gewittert: "Toll, toll, toll", jauchzte die Hamburgerin, nachdem Max Prosa Ende 2011 in ihrer Late-Night-Show aufgetreten war. Toll, toll, toll, jubelt pünktlich zur Veröffentlichung seines Debüts auch die Musikpresse. Was sollte sie auch sonst tun! Abseits der jungen Wilden, die alle in den vergangenen ein, zwei Jahren als aufstrebende Singer-Songwriter auf den Markt geworfen wurden, bringt der 22-Jährige Berliner nicht nur das Können an der Gitarre, sondern auch die Authentizität als Songwriter mit, die Pop-Bubis wie Andreas Bourani oder Tim Bendzko völlig fehlt.

Tracklist:
  1. Abgründe der Stadt
  2. Flügel
  3. Als der Sturm vorbei war
  4. Mein Kind
  5. Straße nach Peru
  6. Totgesagte Welt
  7. Im Stillen
  8. So wieder leben
  9. Radio Resistance
  10. Schöner Tag
  11. Visionen von Marie
  12. Tasunoro
  13. Ikonen
  14. Bis nach Haus
Highlights:

Flügel, Im Stillen, Ikonen

Unsere Bewertung:
8 von 10
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