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Segen oder Fluch?

May Day

Matt Pryor

May Day

LabelArctic Rodeo Recordings
VertriebAlive
VÖ-Datum27.1.2012

Die Liste ist lang. Zu lang, wenn man bedenkt, wie unüberschaubar die Flut aus sogenannten Soloprojekten geworden ist, die ein- und dasselbe Genre zu bedienen scheinen. Natürlich ist die Rede von der Singer/Songwriter-Kaste, diejenigen, die - berühmt geworden durch ihre ursprüngliche Kollektivarbeit in einer Band - im Alleingang nach individueller Verwirklichung streben. Oft geht das gut. Sehr gut sogar! Großartig! Kein Zweifel! Und doch stellt uns jedes neue Release zwangsläufig vor die Frage: Hat nicht auch die großzügigste Sättigungskurve irgendwann einmal ihren Maximalwert erreicht?

Vielleicht gibt uns May Day eine Antwort, denn - rein formal betrachtet - erfüllt das zweite Soloalbum von Matt Pryor schon mal alle Kriterien: Pryor ist Frontmann des Emo- und Alternative-Urgesteins The Get Up Kids und für sich allein - da ist er Singer/Songwriter. Doch die Antwort bleibt aus. Denn egal, ob ein Genre bis zur Kotzgrenze ausgereizt wird: Ein guter Song, bleibt ein guter Song. Und mit guten Songs ist May Day zweifelsohne gesegnet worden. Eigentlich müsste über die grenzenlose Grundsympathie, die Pryor schon von Haus verbreitet, kein Wort verloren werden, wenn sie nur nicht so allgegenwärtig wäre! Vielleicht ist es einfach die Stimme, vielleicht auch nur das Talent, Melancholie so unglaublich federleicht erklingen zu lassen. Etwas, dass im ersten Moment nach einem durchschnittlichen Acoustic-Album klingt, wächst innerhalb weniger Augenblicke zu einem fesselnden Stück Musik heran. Dabei kann eben nicht einmal behauptet werden, was Pryor hier liefert, sei irgendwie originell, außergewöhnlich und verdiene deshalb des Hörers ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Einzige, der die für sich beansprucht, ist Pryor selbst. Wir folgen, wenn er ruft - so einfach ist es. Und so einfach war es schon immer. Die Get Up Kids haben unsterbliche Songs geschrieben und sich damit auf ewig als musikalische Blaupause für ein ganzes Genre manifestiert. Matt Pryors Soloalben stecken voller Querverweise auf die besten Tage dieser Band. Und das selbstredend nicht allein durch seine unverwechselbare Stimme. May Day fühlt sich ein bisschen so an, als säße man bei Familie Pryor in der Garage und hörte dabei zu, wie Campfire Kansas entsteht, ein Song, der - wenn er fertig ist - Hunderttausende begeistern wird. Wird dieses Gefühl verinnerlicht, ist klar, was May Day so liebenswert macht. Es vermittelt das Gefühl von Intimität, ja sogar von Exklusivität. Es wirkt zuweilen sogar wie eine Studie: Vereinzelte Songs sind bewusst einer Lofi-Produktion anheim gefallen und klingen beinahe wie Demoaufnahmen. Doch statt sein Vergnügen zu schmälern, steigert es die Wirkung des Albums.

Singer/Songwriter-Platten gibt es wie Sand am mehr und ganz sicher auch viel, viel zu viele. Doch mit der Flut kommt auch so mancher Schatz, manch Bernstein, sozusagen. Und solange es die noch gibt, so lange müssen wir wohl noch aufmerksam hinhören, denn verpassen sollten wir sie nicht.

 

 

Tracklist:
  1. Don't Let The Bastards Get You Down
  2. The Lies Are Keeping Me Here
  3. Where Do We Go From Here
  4. Like A Professional
  5. As If I Could Fall In Love Again
  6. Polish The Broken Glass
  7. Unhappy Is The Only Happy That You'll Ever Be
  8. As Lies Go...This One Is Beautiful
  9. Your New Favorite
  10. You Won't Get Any Blood From Me
  11. I Was a Witness
  12. What My Tired Eyes Would View
Highlights:

Like A Professional, Polish The Broken Glass, Your New Favorite Song

Unsere Bewertung:
7 von 10
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