
Paternoster
Mark Lanegan
Blues Funeral
| Label | 4AD |
|---|---|
| Vertrieb | Beggars Group/Indigo |
| VÖ-Datum | 3.2.2012 |
Dunkelheit ist eine der Assoziationen, die mit Mark Lanegan verbunden werden. Die einzigartige Stimme des 47-jährigen Sängers vermittelt darüber hinaus düstere Sehnsucht. Ergo scheint es in der Nebensächlichkeit zu versinken, ob Lanegan mit den Queens Of The Stone Age, Isobel Campbel, Soulsavers, Greg Dulli als Gutter Twins oder solo agiert. Und trotz der Offensichtlichkeit, dass er durch die letzten Kooperationen den Soul und Blues mehr und mehr für sich entdeckt hat, schwingt das Geheimnisvolle mit und die Traurigkeit scheint allgegenwärtig. Es fehlt auf Blues Funeral als i-Tüpfelchen lediglich der mehrstimmige und gewaltige Gospelchor, der diesem den letzen geistlichen Schub verleiht.
Das siebte Solo-Album Lanegans zeigt sich variabel, lässt Weggefährten wie u.a. Jack Irons (Pearl Jam), Greg Dulli (Gutter Twins) und Josh Homme (Queens of The Stone Age) agieren und auch wenn Alain Johannes peinlich genau darauf achtet, den Sound unklar zu halten, führt dieser dennoch zu zwischenzeitlich ambivalenten Ergebnissen. Die 80er-Jahre-Einlage Ode To Sad Disco und Mark sind nicht füreinander geschaffen und das klare, elektronische Harbourview Hospital scheint sich ebenso zu verweigern, eine glaubhafte Verbindung mit dem Sänger einzugehen. Es wird deutlich: Lanegan braucht das Gefühl im Hintergrund, damit er seine Lyrics mit Nachdruck und Überzeugung transportieren kann. Sei es eine Ballade, eine 70s-Rockhommage oder ein Blues - diese Wurzeln brechen jedes Eis in ihm und schaffen eine Unmittelbarkeit zwischen ihm und dem Hörer. Folgedessen taucht dieser in solchen Momenten mit in die Welt des Selbstzweifels, nimmt teil an Beschreibungen wie "If tears were liquor, I’d have drunk myself sick." (St. Louis Elegy). Dass Mark Lanegan sich von den Soulsavers hat beeinflussen lassen, mit denen er beide Alben als Sänger aufnahm, zeigt schon der Opener The Gravedigger, dessen minimal elektronische Erscheinung mit einem düsteren Beat und Bass treibend und gradlinig die Atmosphäre an sich reißt und sich als optimaler Untergrund für die Stimme Lanegans zeigt.
Immer wieder erscheinen diese Minuten der direkten Wirkung. So zieht nicht nur die Traumsequenz Bleeding Blood sofort in den Bann, sondern auch das fesselnde Gray Goes Black und das vergleichsweise rockige Quiver Syndrom. Die Wehmutstropfen der Testeinheiten des Albums und Songs wie Leviathan halten sich in einem überschaubaren Rahmen. Entscheidender und mannigfaltiger sind die Momente, die den Hörer mitnehmen, einnehmen und einspannen. Diese sind in der Mehrzahl vorhanden und machen Blues Funeral zu einem größtenteils überzeugenden Lanegan-Werk.
Tracklist:
- The Gravedigger’s Song
- Bleeding Muddy Water
- Gray Goes Black
- St. Louis Elegy
- Riot In My House
- Ode To Sad Disco
- Phantasmagoria Blues
- Quiver Syndrome
- Harborview Hospital
- Leviathan
- Deep Black Vanishing Train
- Tiny Grain Of Truth



