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La Grande

Laura Gibson

La Grande

LabelCity Slang
VertriebUniversal
VÖ-Datum13.1.2012

Als kleines Mädchen, Knirps einer Kindergärtnerin und eines Försters, hat Laura Gibson mit den Bäumen getanzt und sich mit dem Kanu in die Flüsse gestürzt, ist auf der Suche nach geheimen Abkürzungen durch den Wald gestromert und mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch die Brandung des Pazifiks gerannt. Ihre Liebe zur Natur, zu dem Ursprünglichen und ihren Abenteuersinn hat sich die Amerikanerin, die zwischen den Holzfällercamps und Fabriken eines kleinen Städtchens im US-Bundesstaat Oregon, aufwuchs, bewahrt. Heute sagt sie: "Vielleicht war es diese Mischung – einerseits an einem schönen und verträumten Ort aufzuwachsen, der andererseits diese proletarische Härte an sich hatte – die mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich bin. Und die meine Musik geprägt hat."

Diese Musik ist Musik fürs Herz. Musik mit Köpfchen und mit Seele. Musik einer Frau, die weiß, was sie kann. Fernab geschniegelter Pop-Püppchen wie der hochgefeierten Lana Del Rey oder dem dosierten Pomp ihrer weit entfernten Folk-Verwandten Feist beruft sich Laura Gibson in ihrem jüngsten Werk erneut auf die Kraft des Einfachen: Für La Grande hat sich die Liedermacherin mit ihrer Gitarre zusammengesetzt und mit Unterstützung eines Musikantentrupps zehn Songs frei von unnötigem Klimbim, voll mit dem Wesentlichen – ihrer Stimme und ihrem Gefühl – geschaffen. Und doch hat ihr neues gitarrengetragenes Werk mit dem zarten Feen-Folk ihres hochgelobten Vorgänger-Albums Beasts Of Seasons aus dem Jahr 2009 nur noch wenig zu tun. Auf La Grande singt sich Gibson mit ihrer bebenden Mädchenstimme geschmeidig durch zehn kraftvolle, klug gesponnene Kompositionen, die sich atmosphärisch irgendwo zwischen einem aufgeregten Western und intensiven, emotionalen Johnny-Cash-Momenten am Lagerfeuer bewegen.

Hart und zart, Traum und Wirklichkeit, Natur und Industrie: Statt klare Grenzen zu setzen und sich selbst die Schranken zu weisen, probiert sich die Amerikanerin lieber aus – musikalisch wie auch privat. "Ich denke, nachdem ich das sehr ruhige, meditative Beasts Of Seasons gemacht hatte, wollte ich mich in eine andere Richtung bewegen", erklärt sie ihren künstlerischen Antrieb bei La Grande im Interview selbst. So ist von der Melancholie und Zaghaftigkeit, die das Vorgänger-Album ausströmte, auf ihrem neuen Werk nahezu nichts mehr zu hören. An ihre Stelle ist eine Lebendigkeit getreten, die sich durch die vielseitige Instrumentierung ausdrückt: Trommelnd prescht der Titelsong La Grande mit gutem Beispiel voran, in weiteren Tacks finden sich plötzlich ein hypnotisches Flötenspiel und flirrende Gitarren nebeneinander.

Für die Verhältnisse einer sonst so reduziert arbeitenden Musikerin könnte man all das fast schon opulent nennen. Sie selbst drückt es etwas anders aus: "Es war an der Zeit etwas mehr Spaß zu haben", so die Songwriterin über ihre beeindruckende musikalische (Weiter-)Entwicklung. Und Spaß bedeutet für Laura Gibson auch, sich selbst zu überraschen, sich bloß nicht festzulegen. "Es gibt so viele Richtungen, in die ich mich entwickeln könnte", wiegelt sie ab und scheint bereits in Richtung ihres nächsten Albums zu schielen. "Ich würde gerne Zeit damit verbringen, die Musik anderer Kulturen zu studieren." Die lateinamerikanische Musiktradition mit ihren afrikanischen Einflüssen zum Beispiel. "Die zieht mich magisch an." Ihre Liebe zu Bossa-Nova-Rhythmen hat die Liedermacherin mit dem Sinn fürs Experimentelle bereits auf La Grande verarbeitet: Lion/Lamb wabert mit tiefenentspanntem Beat locker-leicht vor sich hin und wird hier und da durch den erfrischenden Klang einzeln angeschlagener Klaviertasten untermalt.

Die Offenheit gegenüber Unbekanntem, dieses Streben nach Neuem ist La Grande nicht nur anzuhören, es entspricht auch dem, was die Songwriterin mit ihren Werken selbst schaffen und sein will: Inspiration für andere. "Mein ganzes Leben habe ich mit Blick auf Douglastannen gelebt. Ihr Wachstum ist nicht dramatisch, sie wachsen langsam und konstant", erklärt Laura Gibson ihr bisheriges und zukünftiges künstlerisches Wirken und Wesen schließlich indirekt auf ihre eigene charmante Art. "Mir gefällt es, dass sich ihre Identität nicht nur auf ihre Größe gründet, wenn sie noch leben, sondern auch darauf, wie sie einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten und anderen Bäumen den Wachstum erleichtern, wenn sie tot sind (alte Douglastannen sind die Basis für viele altbestehende Wälder). Ich denke, all das kann ich mir für meine Musik und mein Schreiben nur wünschen – dass es irgendwie immer weitergeht. Dass sie, wenn ich mal nicht mehr bin, andere weiterbringen kann."

Allein mit La Grande dürfte Laura Gibson ihrem hochgesteckten Ziel als Künstlerin bereits einen Schritt näher gekommen sein: Die zehn neuen Tracks gehören mit ihrer durchdachten, nahezu perfekt ausgearbeiteten Machart zu dem Besten und Inspirierendsten, was die weibliche Singer-/Songwriter-Welt im vergangenen Jahr hervorgebracht hat.

Tracklist:
  1. La Grande
  2. Milk Heavy, Pollen Eyed
  3. Lion/Lamb
  4. Skin Warming Skin
  5. The Rushing Dark
  6. Red Moon
  7. Crow/Swallow
  8. The Fire
  9. Time Is Not
  10. Feather Lungs
Highlights:

La Grande, Time Is Not

Unsere Bewertung:
8 von 10
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