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Jenseits des Eindeutigen

A New Bohemia

Lapko

A New Bohemia

Labelnnb
Vertriebnnb
VÖ-Datum12.3.2010

Musikjournalisten versuchen stets, Vergleiche zu ziehen und Bands einer bestimmten musikalischen Richtung zuzuordnen. Sie tun das, um ihren Lesern und letztendlich auch sich selbst dabei zu helfen, Unbekanntes in vertraute Bahnen zu lenken. Das ist ein probates Mittel der Musikkritik und macht durchaus Sinn. Schwierig wird es allerdings, wenn sich dem Kritiker eine Band wie Lapko in den Weg stellt. Denn letztendlich klingen die drei Finnen so eigen, dass jeder Vergleich am Ende hinkt – auch auf ihrem vierten Album A New Bohemia.

Irgendwo zwischen Progressive Rock, Alternative und Metal sind Lapko wohl anzusiedeln. Klingt dann ein bisschen so wie Tool, die sich Brian Molko als Sänger geangelt haben – aber irgendwie auch nicht. Und da ist er wieder der Vergleich und auch hier passt er nicht wirklich. Fakt ist: Der überwältigend harte und schroffe Sound der Band harmoniert merkwürdigerweise ausgezeichnet mit Ville Maljas zerbrechlicher Stimme. Wenn ein Lied im bodenlosen Abgrund der rauen Metall-Riffs zu versinken scheint, wendet Malja mit seinem Gesang das Blatt und lenkt den Song in eine unerwartete Richtung. Das macht Lapko sehr authentisch und wirklich interessant. Sicherlich, die drei Finnen sind düster und episch wie viele ihrer Landsmänner. Im Falle Lapkos dominiert allerdings mehr eine melancholische Aggressivität. Bei Titeln wie King & Queen oder Kiss'n'Cry kämpft sich das fulminante Schlagzeug wacker durch den schwebenden Sound der Gitarren. Die Drums nehmen auf A New Bohemia sowieso eine äußerst hervorgehobene Rolle ein. Trotzdem schaffen es die schwingenden Gitarren immer wieder, mithilfe von Maljas Gesang das Ruder herumzureißen und Licht in das Dunkel das finsteren skandinavischen Himmels zu bringen – Grab The Stick ist das beste Beispiel dafür.

Wer das musikalisch Eindeutige liebt, wird mit Lapko nicht glücklich werden. Beim Hören des Albums stellt sich jedoch durchweg die Frage: Klingt das nicht alles unheimlich vertraut? Doch sobald die Suche nach dem passenden Vergleich beginnt, merkt man sofort, dass dieses Unterfangen kläglich scheitern wird.

Tracklist:
  1. I Don't Even Kill
  2. King & Queen
  3. I Shot The Sheriff
  4. A New Bohemia
  5. Summer Nights
  6. Horse And Crow
  7. Please Need Me
  8. Grab The Stick
  9. Kiss 'n' Cry
  10. Share Today
Unsere Bewertung:
5 von 10