
Zukunftsserengeti
La Dispute
Wild Life
| Label | No Sleep Records |
|---|---|
| Vertrieb | Cargo |
| VÖ-Datum | 25.11.2011 |
Mit Hypes ist das ja immer so eine Sache. Wer wird hier wem gerecht? Und muss er das eigentlich? Überhaupt: Wer verspricht hier wem das Außergewöhnliche? La Dispute jedenfalls soll die Zukunft sein. Und zwar die Zukunft von Hardcore. Allerdings liegt dieses große, schwere Prädikat nicht auf ihren Schultern allein. Wer könnte das schon schaffen? Nein auch Bands wie Defeater, wie Touché Amore sollen die Zukunft sein und werden in göttliche Höhen gelobt, werden frenetisch gefeiert und sehnsüchtig erwartet.
Der Kritiker in uns sagt: Halt! Hype! Pff! Hypes sind was für die Pop-Welt! Das wollen wir erstmal sehen, wer hier wen hypt und warum!? Fünf Minuten später sitzt der Zweifelnde gänsehäutig vor seinem Tonträgerabspielgerät und kriegt die Kinnlade nicht mehr zu. Und doch: Schon zwingt sie uns wieder, die ewige Skepsis, zum ewigen skeptisch sein. Auch mit La Disputes Wildlife. Album Nummer zwei und schon die neuen Szenehelden. Somewhere At The Bottom Of The River Between Vega And Altair sei Dank. Das erste Werk: Ein Kracher. Die Reaktionen: dementsprechend. Wildlife knüpft an. Relativ nahtlos und entwickelt weiter. Aber nur ein bisschen. Wenn ein recht bekanntes wie relativ mainstreamiges Musikmagazin den Neuling einer jungen, amerikanischen Hardcore-Kapelle noch vor dessen Veröffentlichung als exklusive Beilage promotet, dann ist das durchaus aufhorchenswert und beschert einer Band wie La Dispute mit ziemlicher Sicherheit einen Sack voll neuer Fans. Nicht, weil besagtes Musikmagazin das so möchte, sondern vielmehr, weil La Dispute mittlerweile so genreübergreifend funktionieren, dass sich bei Wildlife ganze Szenen regelrecht in den Armen liegen.
Es ist die Mischung aus Hard-, Postcore und Indierock. Im Gedenken an Meilensteine At The Drive-Ins oder Thursdays. Es ist das vertrackte, kleinteilige Songwriting, die große Lyrik und noch größere Emotionalität. Es ist das Altbewährte, geöffnet für Neues und damit für Neue. Neue Fans nämlich, die nicht unbedingt aus der HC-Szene kommen, für die der Protoyp modernen Hardcores ein Graus ist.
Wildlife ist nicht voll auf die Fresse. Es knüppelt nie bis die Ohren bluten. Und die Two Step-Fraktion weiß vor lauter Rhythmus gar nicht mehr wie man bis zwei zählt. Wildlife ist verspielt. Es lässt sich gar mit sieben-minütigen Songs Zeit und ist gerne leise. Trotzdem reicht die emotionale Bandbreite von wütend über verzweifelt bis völlig am Ende. Und trotzdem ist das Album hart, intensiv und energiegeladen. Oder gerade deshalb? Tatsächlich entsteht hier nicht nur einmal der berühmte Kloß im Hals, das beängstigend gute Gefühl, wenn Emotionen so unmittelbar übertragen werden. 0815 Hardcore schafft das beim besten Willen nicht. La Dispute hingegen gelingt es am laufenden Tonträger.
Deshalb ist Wildlife auch nichts zum Nebenbeihören. Dafür gibt es andere. Hier passt man auf. Wie Melodien sich entwickeln, Spannungen ins schier Unendliche gedehnt werden, nur um dann im großen Finale die Euphorie zu schüren. Große Finale gibt es viele auf Wildlife, auch wenn sie sich nicht immer sofort zeigen. Man muss eben Arbeit investieren. Die Belohnung ist überwältigend. Defeater, Touche Amoré und schließlich auch La Dispute gehören ohne Zweifel zum Besten, was Hardcore dieser Tage zu bieten hat. Das ist so sicher wie das "Let's Go!" auf der Bühne. Und ja: Sie sind die Zukunft des Hardcore. Allerdings nicht, weil Hardcore gerettet werden muss, sondern vielmehr, weil La Dispute und Co. das Produkt einer blühenden Szene sind, die nicht zum ersten Mal zeigt, dass sie sich noch immer neu erfinden kann.
Tracklist:
- A Departure
- Harder Harmonies
- St. Paul Missionary Baptist Church Blues
- Edit Your Hometown
- A Letter
- Safer In The Forest/Love Song For Poor Michigan
- The Most Beautiful Bitter Fruit
- A Poem
- King Park
- Edward Benz, 27 Times
- I See Everything
- A Broken Jar
- All Our Bruised Bodies And The Whole Heart Shrinks
- You And I In Unison
Highlights:
King Park, Edward Benz, 27 Times, All Our Bruised Bodies And The Whole Heart Shrinks, Safer In The Forest/Love Song For Poor Michigan



