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Musikalische Bewusstseinserweiterung.
The Knife
Tomorrow, In A Year
| Label | Rabid Records |
|---|---|
| Vertrieb | Cooperative Music/Universal |
| VÖ-Datum | 5.3.2010 |
Was Charles Darwin wohl zum heutigen Zustand der Galápagos Inseln sagen würde? Schwer zu sagen. Aber es ist wohl nicht besonders schwer zu prognostizieren, dass angesichts von Artensterben und Überbevölkerung auf den Inseln mehr als nur leichtes Kopfschütteln zu vernehmen wäre. Ob dieser Gedanke auch bei den dänischen Performance-Künstlern Hotel Pro Forma eine Rolle gespielt hat als sie sich dazu entschlossen, eine Oper über Charles Darwin zu kreieren? Schwer zu sagen. Vielleicht reichte auch schon der Impuls aus, dass Darwin vor ziemlich genau 150 Jahren sein Werk On the Origin of Species veröffentlicht hat.
Bei der Frage, welchen musikalischen Weg man wohl einschlägt, um sich thematisch seinem Leben und Werk zu nähern, haben sich die dänischen Performer Hotel Pro Forma letztlich dazu entschlossen, The Knife damit zu beauftragen, die Musik zu Tomorrow, In A Year zu schaffen, einer Electro-Oper, die die Welt aus Darwins Blickwinkel betrachtet und literarisch, neben On the Origin Of Species, auch auf seine Notizen und Briefe sowie weitere Artikel und Bücher anderer Autoren über Darwin zurückgreift. The Knife luden dazu den DJ und Musiker Mt. Sims und die Künstlerin Planningtorock ein. Mit der dänischen Mezzo-Sopranistin Kristina Wahlin Momme, der dänischen Schauspielerin Laerke Bo Winther und dem schwedischen Pop-Sänger Jonathan Johansson wurden die Vocals verwirklicht.
Olof Dreier hat zur Umsetzung seiner musikalischen Vorstellung ein breites Spektrum an Sounds aufgenommen, darunter auch solche, die von Steinen, Regen, Wind und Tieren stammen, und diese gesamplet und bearbeitet. Sie stehen Seite an Seite mit elektronisch erzeugten Geräuschen, Synthesizern und ebenfalls akustischen Instrumenten und werden - teils Collagen-artig - verwoben. Und nicht nur damit werden konventionelle Sichtweisen auf und Erwartungshaltungen an eine Oper aus den Angeln gehoben, denn hier folgt, gewissermaßen, die Form der Funktion.
The Knife spielen mit den Ideen, die mit einer eher traditionellen Gestaltung einer Oper einhergehen und sprengen sie gleichzeitig. Neben eher experimentellem Klanggemälden finden sich auch klarere, oder besser: einfacher nachvollziehbare, Strukturen und Pattern, die teilweise auch in das Songartige münden. Aber annähernd klassisch wirkt nur der Gesang Kristina Wahlin Mommes. Die eigene Identität von The Knife bleibt erstmal verborgen. Sie treten hinter dem Konzept und der Idee von Tomorrow, In A Year zurück und stellen sich quasi ihren Dienst. Was bleibt, ist letztlich ein Kunst-Werk, das trotz seiner Länge von 90 Minuten erstaunlich wenig langatmig wirkt und oft seine Faszination aus dem Kontrast zwischen Stimme und Sound zieht. Wer eher einen direkten Nachfolger von Silent Shout erwartet, dürfte vielleicht enttäuscht sein. Wer sich jedoch sowohl klanglich als auch thematisch auf diese bemerkenswerte Kollaboration einlässt, für den stehen die Chancen gut, eine Erweiterung des musikalischen Bewusstseins zu erfahren.
Tracklist:
- Intro (Disc 1)
- Epochs
- Geology
- Upheaved
- Minerals
- Ebb Tide Explorer
- Variation Of Birds
- Letter To Henslow
- Schoal Swarm Orchestra
- Annie's Box (Disc 2)
- Tumult
- Colouring of Pigeons
- Seeds
- Tomorrow in a Year
- The Height of Summer
- Annie's Box (Alt. Vocals - Bonus Track)

