
Ode an die Weißröckchen, Ode an die Käthe
Kate Bush
50 Words For Snow
| Label | Noble & Brite |
|---|---|
| Vertrieb | EMI |
| VÖ-Datum | 18.11.2011 |
Ein bisschen spinnert war die Käthe schon immer. Warf sich Ende der Siebziger im knatschroten Walle-Walle-Kleid in die Landschaft, schmiss als Heathcliffs Cathy Arme, Beine, Füße in die Luft und tanzte zu ihrem Hit Wuthering Heights, ihrer eigenen dramatischen End-Interpretation des gleichnamigen Romans aus dem Jahr 1847, den Tanz der Verzweifelten. Wen wundert es da noch, dass die Pop-Ikone auf 50 Words For Snow, dem ersten Studioalbum seit rund sechs Jahren, mit sieben komplett neuen Songs, ihre Freunde, die Weißröckchen und andere Schneewesen, besingt?
Ihre Gedanken sind frei. Gleich die ersten Worte widmet Kate Bush den weichen Flocken, verwandelt sich gar selbst in eine und lässt sich einfach fallen – textlich, stimmlich, emotional. "I was born in a cloud. Now I am falling. I want you to catch me", steigt die Britin vor dem Hintergrund zaghaft geklimperter Klavierklänge langsam und leise mit ihrer glockenhellen Stimme ein, flüstert, raunt, wispert sich in Stimmung und schafft Stimmung. Mit den scheinbar einfachsten Mitteln, aber auf kunstvollste Art gelingt es ihr den Zauber eines Wintertags festzuhalten und dem Schnee Persönlichkeit einzuhauchen.
So beschreibt Kate Bush im knapp 14-minütigen Misty den traumwandlerischen Sex mit einem Schneemann, von dem am Morgen danach nur ein nasses Bettlaken und eine Menge totes Laub, Äste und kaputtes Glas geblieben sind. Zu den Herzstücken von 50 Words For Snow zählt auch der Titeltrack: Angetrieben von der immer fordernder werdenden Sängerin zählt der britische Schriftsteller und Schauspieler Stephen Fry, die Grinsekatze aus Tim Burtons Alice im Wunderland, darin 50 Synonyme für Schnee auf, wie sie fantasievoller nicht sein könnten. Unter anderem "Crème-bouffant", "slipperella", "melt-o-blast" oder "bad for trains" finden sich dieser zauberhaft langen Liste wieder.
Lang ist dieses Album auch im Ganzen geworden – über eine Stunde lang, ausufernd, endlos auf eine Art, weil Kate Bush sich keine Grenzen setzt und zwischen Pop, Jazz, ArtRock, choralen und elektronischen Elementen keine Schranken aufstellt. Endlos, weil sich 50 Words For Snow nicht abnutzt. Weil es mit jedem Hören tiefer und schöner wird.
Ja, ein bisschen spinnert war die Käthe wirklich schon immer. Vor allem aber war sie außergewöhnlich, unnachahmlich, kreativ und mutig – und ist es immer noch. Wagt sich an Dinge heran, von denen die Chartsmäuschen aus Angst vor der Masseninkompatibilität gleich ganz die Finger lassen. Diese Frau hat den Pop vielleicht nicht erfunden, aber für sich formen, verändern und prägen tut sie ihn nach wie vor wie kaum eine andere. Kate Bush ist ein Pop-Star, wie es Klone wie Britney Spears, Rihanna oder Katy Perry niemals sein werden. Kate Bush ist eine Künstlerin. Sie ist einzigartig.
Tracklist:
- Snow Flake
- Lake Tahoe
- Misty
- Wild Man
- Snowed In At Wheeler St
- 50 Words For Snow
- Among Angels
Highlights:
Snow Flake, 50 Words For Snow



