
Im Garten des Kraken
Jimi Hendrix
Valleys Of Neptune
| Label | Sony Music |
|---|---|
| Vertrieb | Sony |
| VÖ-Datum | 5.3.2010 |
Ein neues Album von Jimi Hendrix erscheint. Das ist erst einmal unmöglich und andererseits jedoch das Gegenteil davon. Denn in den Archiven, welche noch viele Sessions und Liveaufnahmen beherbergen, verrotten, in den Händen der Nachlassverwalter, wahrscheinlich hunderte Stunden virtuosesten Gitarrenspiels, vom Jazz gerpägte Rockgruppenimprovisationen und Neo-Blues-Lärmorgien auf Tonbändern. Weil Jimi Hendrix, der Gitarrengott, eher ein wachsendes denn schrumpfendes Publikum anspricht, gleicht jeder weitere Tonträger einem lukrativen Versprechen. Für alle ist demnach etwas dabei, jede Veröffentlichung ein Gewinn.
Zumindest einige Stücke aus unzähligen Studioaufnahme-Masterbändern sind nun als Valleys Of Neptune zusammengefasst worden. Sämtliche Versionen der enthaltenen Stücke sind bisher unveröffentlicht oder machen sich rar, da sie längst vergriffen sind. Die Auswahlkritierien erschließen sich darüber hinaus allerdings nicht. Zwar gelingt den Machern die Kreation einer Art Albumdramaturgie, ansonsten aber dominiert gerade der Beliebigkeitseindruck. Staunen darf das geneigte Individuum allein ob der großartigen Klangqualität eines Großteils der alten Mitschnitte – einzig das Grundrauschen ist geblieben und verweist in ruhigeren Passagen auf das tatsächliche Alter dieser pop-historischen Dokumente.
Leider aber kann Valleys Of Neptune kaum als Nachfolgewerk des perfektionistisch konzipierten Electric Ladyland-Doppelalbums bestehen und auch keineswegs, wie in den Linernotes bekundet, die Lücke zwischen Hendrix letztem zu Lebenszeit erschienenen Longplayer und dem erst lange nach seinem Tod veröffentlichten, unvollendeten Album First Rays Of The New Rising Sun schließen. Denn in der Hauptsache ertönen Studiosession-Takes, die mitunter eine zweite Gitarrenspur enthalten oder in den Achtzigern beigesteuerte Bass-Schlagzeug-Beiträge. Overdub-Extravaganzen bleiben indes aus. Alle Stücke sind jeweils innerhalb einer Studiositzung abgeschlossen worden. Einzige Ausnahme ist die 1969er-Version des Songs Stone Free – mit einem dramatischen und bissigen Gitarrensolo im Psychedelicsound ein Höhepunkt des Albums.
Zwar strotzen bekannte Klassiker vor Energie, gerade das rasende Funk-Rocken von Fire und das intensive Red House - welches leider einer Ausblendung geopfert wird -, doch die Band experimentiert eher mit den Studiobedingungen und testet die eigene Tagesform. Für die Öffentlichkeit waren diese Takes nie bestimmt und sprechen damit sicherlich allein ein Publikum an, welches auch an der spezifischen Arbeitsweise und den musikalischen Skizzen von Jimi Hendrix, seiner Experience und der darauf folgenden Band Of Gypsys interessiert ist.
Das instrumentale Arrangement des Cream-Evergreens Sunshine Of Your Love verblüfft zwar, die zuvor unveröffentlichten Stücke Ships Passing Through The Night, Lullaby For The Summer und das Titelstück erstrahlen in zeitloser Frische. Doch ansonsten verwirren der fehlende rote Faden und die Beschränkung auf die Zusammenstellung großartig und organisch-druckvoll klingender Liveaufnahmen aus dem Studio.
Und Ungereimtheiten stören den Gesamteindruck. Gerade Crying Blue Rain schweift durch Unklarheiten, um schließlich ausgeblendet zu werden. Und auch Fire rumpelt, die Band schlingert und verzettelt sich, kommt rekoordiniert zum Ende. Ships Passing Through The Night gerät auch holprig. Das ist feines Bonusmaterial, weniger ein: brandneues, komplett unveröffentlichtes Studioalbum. Statt also mittels Coversticker zu schwindeln, dann doch lieber alternative Studioversionen bereits bekannter Stücke oder gar sorgsam restaurierte Konzertaufnahmen, beispielsweise den Winterland-Auftritt, welche wirklich den Moment und damit Einzigartigkeit zelebrieren, auf den Markt bringen, wehrte Experience Hendrix-Verwaltung.
Tracklist:
- Stone Free
- Valleys Of Neptune
- Bleeding Heart
- Hear My Train A Comin´
- Mr. Bad Luck
- Sunshine Of Your Love
- Lover Man
- Ships Passing Through The Night
- Fire
- Red House
- Lullaby For The Summer
- Crying Blue Rain
Highlights:
Lullaby For The Summer, Red House, Sunshine Of Your Love



