
Kein Platz für Schönheit
Grinderman
Grinderman 2
| Label | Mute / Aip |
|---|---|
| Vertrieb | Good To Go |
| VÖ-Datum | 10.9.2010 |
Das ruhige Pluckern zu Beginn des Openers Mickey Mouse & The Goodbye Man sollte genossen werden. Mit so wenig geben sich Grinderman auf ihrem zweiten Album Grinderman 2 selten zufrieden. Stattdessen feuern sie einen Song nach dem anderen zielsicher aus der Hüfte geradewegs in Richtung gefesselten Hörer. Hier kann alles passieren, immer und überall.
Nick Cave und Warren Ellis, als Rudelsführer, und Martyn Casey sowie Jim Sclavunos verbindet die Bad Seeds. Warum Grinderman nötig wurde, beantworteten sie bereits zur Genüge vor drei Jahren mit ihrem Debüt. Mit der Spiritualität, die die Musik und die Texte Caves dort inzwischen häufig auszeichnen, hat Grinderman zunächst wenig zu schaffen. Hier herrschen Männer mit Fantasien, Abgründen, Leidenschaften, animalischen Trieben. Schon im Opener gibt uns Cave den großen bösen Wolf. Und man fährt wohl am besten damit, ihm diesen auch abzunehmen. Wer weiß, was sonst passieren würde.
Denn es geschieht viel auf Grinderman 2. Experimente, Lärm, Rhythmus, Melodie und Text verbinden sich zu Songs. Die Band spielt mit diesen Fragmenten, ihrer musikalischen Intuition, und manchmal spielt diese auch mit ihnen. Dann ergeben sie sich dem Chaos, und es gibt kein Platz für Schönheit mehr in ihrem bluesigen Rock and Roll. „Waiting for the wolfman to come“ fleht Cave in Heathen Child. So entfesselt ist Cave vielleicht nur bei Grinderman. Er windet sich, rastlos, gedrungen, unstet und will von Rettung nichts wissen. Bei When My Baby Comes spielen Grinderman gemäßigter, fast schon mit einer Art Samba-Rhythmus und Streichern, nur um diese gemeißelte Skulptur brutalst mit der Gitarre zu zersägen. What I Know lockt den Hörer wieder in die Nähe („You better come over here“), nur um ihn mit Evil zu überwalzen: „Who needs the moon? You´re my moon! Evil Evil Evil!“.
Die Herren von Grinderman verlassen sich auf ihren Riecher, schälen aus Improvisationen brachiale Songs voller Boshaftigkeiten und List. Es ist spürbar, dass diese Musiker ein großes Vertrauen auf ihre Fertigkeiten verbindet, dass sie sich kennen, und sie sich gegenseitig die Klauen schärfen. Das macht Grinderman 2 so spannend. Palaces Of Montezuma scheint dann endlich Frieden schließen zu wollen. Chöre umschweben die Stimme Caves, die auf diesem Album an keiner Stelle derart rein geklungen hat. Kein Bruch, keine Ironie. Aber mit dem Bellringer Blues ein geschundenes Stück Musik im Anschluss. Ein passendes Ende.
Tracklist:
- Mickey Mouse & The Goodbye Man
- Worm Tamer
- Heathen Child
- When My Baby Comes
- What I Know
- Evil
- Kitchenette
- Palaces Of Montezuma
- Bellringer Blues
Highlights:
Evil, Heathen Child, Bellringer Blues



