Bigsize

Platte der Woche

Beach House
Bloom

Aktuelle Platten

Kreise um den Eingang

There Is Love In You

Four Tet

There Is Love In You

LabelDomino
VertriebIndigo
VÖ-Datum29.1.2010

Der Mann, der die Beatspürung perfektionierte, kehrt zurück. Kieran Hebden, als Four Tet ein innovativer Track-Querdenker, Bastler, Verfremder, Remixer, spürt, dass um ihn herum Liebe ist. Diese versucht er auf unorthodoxe Weise zu transportieren. Balladesk sind seine Tracks auch auf diesem Love-Album keineswegs geraten.

Die melodischen Verläufe zerhackt der Produzent Hebden weiterhin gerne, auch an den, was diesen sagenumwobenen ersten Anschein oder eben Höreindruck anbelangt, falschen Stellen. Doch, weil er eben ein grandioser Rhythmiker ist, lösen sich die Hackstücke in sorgsam zusammen-gepuzzeltes Wohlgefallen auf. Bereits die beiden ersten Stücke lösen diese Fähigkeiten erstaunich geschmeidig ein. Aus Kleinteilen, welche seltsam elliptisch aufeinander treffen, formt der geloopte Beat schmückendes Beiwerk und atmosphärische Groovestützen.

Doch bei diesem rhythmischen Kunststück, welches die beiden ersten Tracks verbindet, harrt There Is Love In You nicht aus. Während das Album voranschreitet, filtert Hebden synthetische Musikgeschichte. Circling vereinigt fröhliche Elektroniktonfolgen mit mittelalterlich-sakralem Frauengesang; dieses Arrangement kann somit vom Charakter her durchaus als Interpretation der Stücke Klusters gedeutet werden. Mit Sing stößt Four Tet schließlich die Türen zum House-Club vollends auf. Während die beiden Eingangsstücke schon zur gradlinigen Rhythmik tendieren, pumpt Sing die Mutter aller Discobeats an: Four-To-The-Floor. Auch Plastic People, vorletzter Track des Albums, nähert sich diesem zum Tanz animierenden Phänomen. Das Stück deutet seine Clubkompatibilität an, rasselt aber lieber gen Tagtraum, anstatt sich ins Nachtleben zu begeben.

This Unfolds evoziert noch mehr Weite, hallt, rauscht und knistert, verläuft nachdenklicher. Denn für ein reines Partyalbum kann Hebden weiterhin wenig Interesse aufbringen. Als Paten für das versponnen flötende Motiv, welches er gerade im Mittelteil des Stücks sorgfältig herausschält, hätten erneut Moebius und Roedelius Pate stehen können.
Das Ende läuten die klingelnden Klänge von She Just Likes To Fight ein. Zwar dominieren Trommeln auch die Einleitung des Albumabschlusses, eigentlich aber ist She Just Likes To Fight ein wunderschönes Gitarreninstrumentalstück. Die Melodie darf sich komplett entfalten, wird von Synthies umspielt und kommt dann, viel zu früh, zur Ruhe.
Derart konzentriert, trotz funky Looseness, und geradeaus gab es noch kein Four Tet-Album. Eventuell ist das, auch weil Geräuschhaftigkeit und das Maschinelle nur noch marginal auftauchen, Pop oder zieht immer engere Kreise darum herum. Doch das Zurücknehmen des Verfrickelten und der nervösen Hektik hat bei Hebden niemals einen langweiligen Beigeschmack. Also, Let There Be Pop.

Tracklist:
  1. Angel Echoes
  2. Love Cry
  3. Circling
  4. Pablo´s Heart
  5. Sing
  6. This Unfolds
  7. Reversing
  8. Plastic People
  9. She Just Likes To Fight
Highlights:

Plastic People, She Just Likes To Fight, This Unfolds

Unsere Bewertung:
7 von 10
Skyscraper