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Interpol
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Umarmung

Measure

Field Music

Measure

LabelPIAS UK/Menphis Industries
VertriebRough Trade
VÖ-Datum12.2.2010

Der perfekte Popsong klingt jedes Jahrzehnt anders, Steely Dan gleichen Scritti Politti nur bedingt, mit Brian Wilsons Caroline, No haben beide wenig gemeinsam. Michael Jackson, der erklärte King Of Pop, hat von Timbaland mit Destiny´s Child oder Aaliyah, Musizierenden wie David Bowie, Prince, Sufjan Stevens oder Joni Mitchell zeitlebens wohl keine besonders hohe Meinung gehabt. Ein wenig zurecht, im Grunde ist ja auch bereits der Sommerhit des vergangenen Jahres 12 Monate später keinen Cent Trinkgeld mehr wert.

Die Lads von Field Music kann dies herzlich wenig interessieren, es kann ihnen geradezu egal sein. Zwar versucht das britische Gespann dem Perfect-Popsong auf die Schliche zu kommen, auf eine bestimmte Herangehensweise einigen, wollen sich David Brewis, Peter Brewis, Kev Dosdale und Ian Black dabei keinesfalls. Measure, das neue, gewaltig umfangreiche Zwanzig-Stücke-Album, darf überall und zu jeder Zeit wildern. Und das, mit Verlaub, ist doch wohl auch die einzig richtige Herangehensweise.

Bereits mit den ersten Tönen öffnet Measure seine umschlingenden Arme ganz weit. Tut dies aber nur, um mindestens eine Stunde die Umarmung aufrecht zu erhalten. Lieber wäre es Field Music und ihren Liedern jedoch, wenn sich niemand, der mit dem Album in Berührung käme, jemals wieder von ihm entfernte. Das Meiden des Kontakts vergisst auch sämtliche Vorzüge. Schließlich macht Measure, welch eine Zeitersparnis, die Auseinandersetzung mit zahllosen mittelmäßigen und halbgaren Nummern der Popgeschichte sogar überflüssig. Und es tut noch mehr.

Epochen und Orte, Genres und Strukturen, Soundkonstellationen und Klangkörper, Spiel- und Produktionsweisen verquickend, wie selten derart ausgiebig betrieben, zähmt Field Music einen Streichel- und Kuschelzoo. Und dies ist dann zugleich auch der einzige Nachteil des Riesen Measure. Denn leider dominiert die Ballade das Album so sehr, dass die Meinung aufkommen könnte, allein langsame Lieder wären zu einer Liebesbeziehung fähig. Dafür allerdings nehmen die vier Briten immerhin den alten Kumpel Rock hymnisch mit ins Geschehen auf: The Rest Is Noise oder All You´d Ever Need To Say. Und Dancemusic, oft als niveaulos gescholten, darf mitmachen: Let´s Write A Book.

Auch ansonsten gelingt derart viel, auch quantitativ und klingt nach Leichtigkeit, dass das Staunen lediglich dem Genießen Raum lässt. Kein Lied ist ein Ausfall und sämtliche Funken finden einander, um das begehrliche Feuer zu entfachen. Es bleibt letztlich lediglich zu attestieren, wie unterschätzt Field Music bisher für überschaubare Publikumsmassen ihre Ton-Kunst in die Welt gegeben haben. Das Wow!-Album des noch jungen Jahres: Measure.

Tracklist:
  1. In The Mirror
  2. Them That Do Nothing
  3. Each Time Is A New Time
  4. Measure
  5. Effortlessly
  6. Clear Water
  7. Lights Up
  8. All You´d Ever Need To Say
  9. Let´s Write A Book
  10. You And I
  11. The Rest Is Noise
  12. Curves Of The Needle
  13. Choosing Numbers
  14. The Wheels Are In Place
  15. First Come The Wish
  16. Precious Plans
  17. See You Later
  18. Something Familiar
  19. Share The Words
  20. It´s About Time
Highlights:

Lights Up, Let´s Write A Book, The Rest Is Noise, You And I

Unsere Bewertung:
8 von 10