
Liedvielheiten
Efterklang
Magic Chairs
| Label | 4AD/Beggars Group |
|---|---|
| Vertrieb | Indigo |
| VÖ-Datum | 19.2.2010 |
Moderne Folklore ist eine flirrende Phantasterei, ein eng besiedeltes
Märchenland, ein Wunsch nach Geborgenheit, ein Aufbruch in die Idylle und
zugleich eine Zukunftsvision. Zumindest Efterklang, das skandinavische
Musizierendenkollektiv, entgegnet der vermeintlichen Stagnation im
traditionellen Songwriting mit Aufbrüchen in sämtliche Nischen des
Wohltemperierten, der Niedlichkeit und des friedfertigen Singens und Klingens.
Ungefährlich und sentimental allein sind solche Exkursionen allerdings nur
ganz selten. Denn inmitten der friedlichen Grundausrichtung, zwischen erhabenen
Harmonien, fechten die Gestaltgebenden unzählige rhythmische und tonale kleine
wie kleinteilige, eventuell gar kleinliche Kämpfe aus.
Das Gestrige in eine neue Form zu bringen, dies erscheint Efterklang
unzureichend. Lieber unternimmt das Ensemble den Versuch zu vermitteln und zu
vereinen. Das Feingeistige mit dem Schroffen, das Dissonante mit dem Pompösen. Was als Fremdkörper in ein Stück eindringt, geht schließlich in ihm auf.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um winzige Fragmente oder
ausgewachsene Klangflächen, zierliche Loopelemente, rhythmische Motive oder
lange Tonfolgen handelt. Gerade mit Magic Chairs etabliert Dänemarks Efterklang auf diese Weise eine erstaunliche Vision von leidenschaftlicher und zugleich avancierter Popmusik. Dabei spielen die üblich verdächtigen britischen Pathospatienten eine ebenso entschiedene Rolle wie die unerschöpfliche Welt der untergründigen Tüftelei.
Orchestrale Arrangements gelingen in diesem Verwirrspiel besonders gut. Wenn
sehnende Gesänge, von stochernden Trommeln begleitet, von schnittig
vorgetragenen Gitarrenakkorden gekontert, auf vollmundige Klavierekstase,
Streich- oder Blasinstrumentsektionen und untermalende Elektronikpartikel
treffen. Dann hat die Musizierpraxis von Efterklang der Liedtradition neue
Töne entlockt und eigentümliche Farben geschenkt. Selbst aus simplen
Songgrundideen entwickelt die dänische Gruppe jeweils eine Liedvielheit.
Tracklist:
- Modern Drift
- Alike
- I Was Playing Drums
- Raincoats
- Harmonics
- Full Moon
- The Soft Beating
- Scandinavian Love
- Mirror Mirror
- Natural Tune
Highlights:
Scandinavian Love, I Was Playing Drums, Mirror Mirror



