
Futur-Primitivismus
Devo
Something For Everybody
| Label | Warner |
|---|---|
| Vertrieb | Warner |
| VÖ-Datum | 9.7.2010 |
Nach veröffentlichungsfreien Jahrzehnten erscheinen auch die einstiegen Neuerer-Nerds der Rockmusik erneut in der Öffentlichkeit: Devo.
Wenig verwunderlich, denn das wohlbehütete Kollektiv hat bis heute keine gleichgeartete Nachfolge erleben dürfen. Devo steht allein auf weiter Flur mit postmodernem Musizieransatz plus Unterbau - zusammengebastelte Bandgeschichte auf Nerd-Science-Basis sowie einer Namen gebenden Theorie der rückschrittlichen De-Evolution und einem unverbesserlichen Strategien hinsichtlich der Kostümierung und Bühnenshow, also einer grandiosen Inszenierung der Band. Auch das Medium Video entdeckt das Ensemble schnell für sich, stets mit der Errichtung eines Gesamtkunstwerk beschäftigt.
Devo ist bis heute die Gruppe, welche bereits alles Nennenswerte zu einer neuen Welle in der Rockmusik sagte, als der Begriff New Wave erst ein schwammiges Genre zu umreißen versucht. Nachdem Bandkopf Mark Mothersbaugh lange Jahre vorwiegend im Bereich Filmmusik tätig gewesen ist, Devo allerdings schon auch Shows spielte, darf die noch intensiver degenerierte Welt ein weiteres Dokument der De-Evolutionisten begrüßen. Und tatsächlich löst der zynische Spaß ein, was vor Jahrzehnten als dümmlicher Ulk gelten durfte. Die Musik der Gruppe Devo, bereits zur ersten Hochzeit des Bandgeschehens als Außerirdischen-Neandertalermusik bezeichnet, passt ganz ausgezeichnet in die musikalisch rückschrittliche Pop-Gegenwart des dritten Jahrtausends.
Klingende Klischees sind ganz zentrale Bestandteile des aktuellen Devo-Sounds, welcher, im Vergleich zu vergangenen Produktionen, nur leicht zu pimpen gewesen ist. Denn Devo hat das Roboterhafte in den Rock gebracht, feiert noch heute alberne Riffs und Motive, Stampfbeats und Synthgedudel, gepaart mit Hochkulturknowledge und Kompositionsskills - welche im Hintergrund sämtliche Bestandteile in die richtige, nämlich primitivste Form zwängen.
Bereits Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger resultieren diese Ansätze in heute bei jungen Menschen leider weitgehend unbekannte Post-Punk-Evergreens wie Mongoloid und Whip It, Secret Agent Man und Girl U Want. Something For Eveybody setzt die beeindruckende Reihe fort. Eingängigkeit verlernt der Primitivismus nie. Er verfährt zielstrebig. Die Beschränkung macht es möglich, sie mobilisiert und bündelt sämtliche Kräfte. Der Deichkind-Effekt. Als Erfinder des reduzierten Elektropunk sind auch die neuen Devo-Songs eine Macht.
Für Fans bietet das Album abgewandelte Highlights der Vergangenheit, betont oder überspitzt aber auch, was zuvor lediglich Andeutung blieb. Mittlerweile darf Barbershopmusik eindringen, balladeskes Pianodrama aufblitzen, schnulziges Chorsingen sowie Crooneranteile teilhaben. Lupenreinen, technoiden Pop gar präsentiert No Place Like Home. Ansonsten bleibt Devo dem eigenen, upgedateten Stil treu. Dies dürfte durchaus der Entstehungsgeschichte des Albums geschuldet sein. Schließlich befragten die Musizierenden während der Produktion ihr Publikum nach einem entscheidenden Meinungsbild. Im Internet durfte abgestimmt werden, welche Songs es zur endgültigen Veröffentlichung schaffen. Dieser Abstimmung könnte es geschuldet sein, dass gerade die Freedom Of Choice-Phase mit gegenwärtigen Mitteln revitalisiert wird.
Tracklist:
- Fresh
- What We Do
- Please Baby Please
- Don´t Shoot (I´m A Man)
- Mind Games
- Human Rocket
- Sumthin´
- Step Up
- Cameo
- Later Is Now
- No Place Like Home
- March On
Highlights:
Please Baby Please, Don´t Shoot, Fresh



