
Jenseits aller Klischees
Dear Reader
Replace Why With Funny
| Label | City Slang |
|---|---|
| Vertrieb | Universal |
| VÖ-Datum | 20.2.2009 |
Wer dachte, dass Südafrika nicht mehr als Afropop, Kwaito und Howard Carpendale zu bieten hat, der hat das Debüt von Dear Reader aus Johannesburg noch nicht gehört. Replace Why With Funny heißt der Erstling der drei Südafrikaner Cherilyn McNeil, Daryl Torr und Michael Wright und überzeugt trotz Fehlen jeglicher Klischees. Oder eben deswegen.
Aufgenommen wurde das Album 2008 hinter den meterdicken Mauern einer Hochsicherheits-Festung aus finsteren Apartheid-Zeiten, den SABC Studios. Hier hat sich Daryl schon einen richtigen Grammy verdient, und zwar für die Produktion des Soweto Gospel Choirs. Keine niedrige Messlate für sein neues Projekt Dear Reader. Für die Produktion wurde jedoch Brent Knopf der US-Band Menomena verpflichtet und abgeschottet von der Außenwelt nahmen sie Waldhörner, Streicher und Chöre für Replace Why With Funny auf.
In Way Of The World, dem Opener des Albums wird man von einem Banjo in die lyrische Welt der Cherilyn McNeil geführt. Wer politisierende Texte über die Zustände in Afrika erwartet hat, wird abermals überascht. So sind es hauptsächlich persönliche Erfahrungen die McNeil besingt, die emotionale Berg- und Talfahrt ihrer Gefühle. Diese findet in der Musik angemessen Ausdruck, Spannung entsteht hauptsächlich durch die Dynamik der Streicher und dem mehrstimmigen Gesang der 24-jährigen. Mal elegisch bis tragisch, mal enthusiastisch bis treibend gehetzt wie bei Great White Bear, wenn McNeil panisch “Run/ There’s a bullet in your back” ruft, geht es weiter durch die Gefühlswelt der Cherilyn McNeil bis man in The Same tatsächlich sowas wie ein Statement erhören kann. Mit “The same / We are both the same / We share the same heart / We are made of the same parts“ besingt sie das Leben als Heimatlose, in einem Land, welches ihre Großeltern versklavt haben. Der Wunsch nach Einheit in dem von elf Amtsprachen beherrschten Land findet in den Chören Ausdruck. Helle wie dunkle, hohe wie tiefe, schwarze wie weiße Stimmen begleiten Cherilyn in ihrer Sehnsucht nach Harmonie. Sie findet sie in ihrer Musik. Im extatischen Everything Is Caving kommt die Reise zum Ende. Nur durch eine Orgel begleitet und fast flüsternd beginnend, steigert sich der Song vorbei an schiefen Tubas und plätschernden Klaviertönen zum stillen Ende, und wenn man dan gerade denkt es ist vorbei, kommen sie zurück. Zum furiosen Höhepunkt treiben es die drei in alter Postrock-Manier. Ein starker Abgang einer schönen Reise.
Replace Why With Funny will gehört werden, wieder und wieder. Die perfekte Inszenierung der zerbrechlich süßen Stimme McNeils und die Dramaturgie der Songs lassen Gefühle beim Hörer aufblühen. Dynamisch entwickelt sich das Album immer wieder zu neuen Passagen der Euphorie. Ein überzeugendes Album, definitiv der richtige Weg in Richtung zum zweiten Grammy, auch wenn dies nicht das erklärte Ziel ist. Musik soll laut McNeil immerzu vom Herzen kommen, oder wie schreibt die Band auf ihrer Myspace-Seite: „...when you feel so much that you think you might explode and then laugh at yourself for being such a melodramatic douchebag!“
Tracklist:
- Way Of The World
- Dearheart
- Great White Bear
- Bend
- Out Out Out
- Release Me
- Never Goes
- The Same
- What We Wanted
- Everything Is Caving
Highlights:
Way Of The World, Great White Bear, The Same



