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Moscow Penny Ante

Dead To Me

Moscow Penny Ante

LabelFat Wreck Chords
VertriebEdel
VÖ-Datum11.11.2011

War es nach African Elephants wirklich so ungewiss, wohin sich der Sound von San Franciscos Punkrock-Darlings No. 1 entwickeln würde? Damals, kurz nach Veröffentlichung des zweiten Longplayers, irgendwie schon: Jack Dalrymple weg, Nathan Grice an dessen Stelle, auf einmal wieder Trio und überhaupt alles anders. Experimentier- und Spielfreude waren dem Album zwar anzuhören (und das nicht zu knapp), genau wie das außerordentliche Talent seiner Macher. Doch ihre ungestüme wie unpolierte Klasse und Catchyness von Debüt-Album und -EP ließen Dead To Me für manchen ein Stück weit zu sehr vermissen.

Trotzdem: Eins musste man Frontmann Chicken und seiner Kapelle schon damals lassen: Dead To Me waren immer Freunde der musikalischen Neuerfindung. African Elephants war dabei einfach ein weiteres Kapitel, genau wie schon Cuban Ballerina und Little Brother. Da wundert es wohl niemanden, dass Moscow Penny Ante nicht etwa die logische musikalische Weiterentwicklung seines Vorgängers geworden ist. Vielmehr gilt: Wieder mal alles anders. Anders, aber keineswegs unbekannt. Denn: Nicht nur ist man im Hause Dead To Me nach erneutem Line-Up-Wechsel wieder unter acht Augen. Auch musikalisch hat man zu ureigener Stärke zurückgefunden. Und das so rasant und auf so eindrucksvolle Weise, dass man glatt Gefahr laufen könnte zu behaupten, Moscow Penny Ante sei eines der besten Punkrock-Releases des Jahres.

Das ist vor allem einer Tatsache zu verdanken: Das Gefühl, irgendetwas würde fehlen, ist wie weggeblasen. Stattdessen fühlt es sich an, als hätte Dalrymple die Band nie verlassen. Und doch steht wieder jemand neues an dessen Stelle. Allerdings mit dem feinen Unterschied, dass dieser Jemand die großen Fusstapfen endlich ausfüllt: Sam Johnsons. Seines Zeichens Ex-Fronter der HC-Punk-Band New Mexican Disaster Squad und heute Gründungsmitglied der No Friends und VRGNS. Mit seiner leicht nöligen, cleaneren Art zu singen, scheint er tatsächlich endlich den perfekten Konterpart zu Chickens rauer, aggressiver Stimme zu bilden. Etwas, zu dem Vorgänger Nathan Grice leider nicht im Stande war und zudem etwas, das die Band geradewegs zu beflügeln scheint.

Die Hitdichte ist endlich wieder beängstigend hoch, genau wie das Tempo einiger Songs - zumindest für Dead-To-Me-Verhältnisse. Der Opener knallt wie schon viel zu lange nicht mehr, ganz zu schweigen von der Reihe Eigentlich-jetzt-schon-Goldies, die unmittelbar folgen. Im Grunde vereint Moscow Penny Ante das Beste aus Cuban Ballerina und der Little Brother-EP - nur eben mit der gewissen Ladung Reife, die im Laufe der Jahre hinzukommen konnte. Meilenweit entfernt vom 0815-Punkrock und ganz zwischen wütendem Riffing, 77er-Coolness und mitreißender, zuweilen fast frickeliger Poppunk-Ausgelassenheit.

Das alles macht es schwer, zwischen diesem neuen und den ersten beiden Veröffentlichungen einen Favoriten zu wählen - nichts spricht mehr als das für Dead To Mes wiedererlangte und zugleich neue Qualität. Einzig der Mut zum Experiment ist auf der Strecke geblieben. Doch vielleicht war gerade das nötig, um in Ruhe wieder den richtigen Weg zu finden. Dead To Me sind definitiv dorthin zurückgekehrt. Und zwar so, wie wir sie alle lieben gelernt haben. Und das macht sie am Ende nur noch liebenswerter.

 

 

Tracklist:
  1. Undertow
  2. Reckless Behaviour
  3. The Evolution Will Be Tele-Visualized
  4. The Hand With Inherited Rings
  5. No Lullabies
  6. The Trials Of Oscar Wilde
  7. The Monarch Hotel
  8. Never Relief
  9. I Love My Poblems
  10. Dead Pigeon Tricks
  11. Victims Of No Ambition
  12. The World Has Gone Mad
Highlights:

Reckless Behaviour, The Hand With Inherited Rings, The Trials Of Oscar Wilde, I Love My Poblems, Victims Of No Ambition

Unsere Bewertung:
8 von 10
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