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Sehnsucht als Lustprinzip
Botanica
Who You Are
| Label | Rent A Dog |
|---|---|
| Vertrieb | Alive |
| VÖ-Datum | 5.2.2010 |
Zwischen New York und Aachen ist das sechste Studioalbum Botanicas entstanden. Nicht zum ersten Mal und sicherlich auch ein Grund für die Zerrissenheit in der Musik und den Texten, die diese Band seit jeher auszeichnet. Wirkliche Grenzen gibt es auch auf Who You Are keine, das sich seinen Titel sehr zu Herzen nimmt. Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wie verändert uns Liebe und das Leben?
Die Antworten fallen melancholisch aus. Und auch nicht immer befriedigend. Das hat Who You Are mit dem realen Leben gemein. Der Opener und Titeltrack beginnt stimmungsvoll. Dunkler Indiefolk, mit Klaviersprenklern und der kräftigen Stimme Paul Wallfischs, die von der Last kündet, dass andere besser über einen Bescheid wissen zu glauben als man selbst. Zweifel und Sehnsucht werden als Motive eingeführt und in den folgenden 11 Songs weiter ausgebaut. Durchaus ein Lustprinzip. Denn Botanica verharren nicht in eindimensionaler Melancholie. Witness mit seinen Pulp-Fiction-Gitarren zeugen von der Liebe im Wahn und vollster Brutalität: „Transform love´s torture into hate“, singt Wallfisch dort, begleitet von der Violine. Neben diesem starken Stück sind es vor allem die atmosphärischen, an Madrugada oder Nick Cave erinnernden Songs, die Who You Are ausmachen. Besonders letzterer wurde ohnehin oft als Referenz heran gezogen und bei einem Lied wie Anhalter Bahnhof, das sich mit seinem Kontrabass anhört, als ob es in einer verrauchten Kneipe direkt neben jenem aufgenommen wurde, ist Gänsehaut garantiert. Ebenso bei Perfection, das mit einem zuckenden Rhythmus ausgestattet ist, zu dem Wallfisch die Lyrics durch die Musik peitscht.
Das sind die stärksten Momente Botanicas. Wenn sie eine Atmosphäre aufbauen, komplexe, schwerdunkle Rockmusik arrangieren und dem Kopf und den Füßen Arbeit aufgeben. Allzu poppige, geradlinige Songs wie Cocktails On The Moon oder You Might Be The One trüben das Gesamtbild, weil sie aus der Reihe fallen. Signifikant: Ersteren singt Gitarrist John Andrews und letzteren intoniert Wallfisch zusammen mit Dana Schechter, die den Song auch mit schrieb. Trotz dieser Schwachpunkte bleiben Botanica auch bei ihrem sechsten Album unbedingt hörenswert.
Tracklist:
- Who You Are
- Witness
- Cocktails On The Moon
- You Might Be The One
- Anhalter Bahnhof
- Xmas
- Perfection
- Because You´re Gone
- For Love
- Backlit
- Whispers & Calls
- So Far From Childhood
Highlights:
Who You Are, Anhalter Bahnhof, Perfection

