
Vollgestopfter Gemischtwarenladen
Annuals
Count The Rings
| Label | Souterrain Transmissions |
|---|---|
| Vertrieb | Rough Trade |
| VÖ-Datum | 20.8.2010 |
Ob das eine Erklärung für den Sammelcharakter des Albums ist: Count The Rings von den Amerikanern Annuals soll deren Musik auf dem europäischen Markt bekannt machen. Beziehungsweise die Songs, die seit ihrem Debüt Be He Me von 2006 auf B-Seiten erschienen sind oder Raritäten darstellen. Vermutlich reicht die Erklärung nicht aus. Schließlich mutet beinahe jeder Song des Sextetts an wie ein riesengroßer Gemischtwarenladen, vollgestopft bis obenhin mit verschiedensten Genres. Und doch: irgendwo ist eine Richtung auszumachen.
Der Opener Eyes In The Darkness verwirrt umgehend: Nachdem der Titel von einer dämonisch anmutenden Stimme zu Gehör gebracht wurde, wächst aus dieser Dunkelheit ein knackiger Salsarhythmus, zu dem auch die Indiestimme von Songwriter und Sänger Adam Baker gut passt. Doch wer dachte, damit hätte es sich erledigt mit dem Wirrwarr, wird schnell eines besseren belehrt. Besser gesagt: Noch zehn Mal, bei jedem einzelnen Song. Praktisch immer brechen die Annuals ein vorhandenes Koordinatensystem wieder auf, um dem Ganzen noch einen Punkt hinzuzufügen. Hot Night Hounds driftet nach einem Pianointro ab in progressiven Indie mit Gitarrensoli und diversen Rhythmuswechseln. Springtime zerschlägt das aufkeimende Klavier schnell mit Metaldrumming und ein paar wohldosierten Schreien. Auf Hair Don´t Grow gibt es dann noch Southern Rock, Synthies und weitere Metalanleihen. Hardwood Floor hat etwas von Dream Pop. Die Liste könnte eigentlich beliebig weiter geführt werden.
Zumindest Schubladendenken kann man den Annuals wirklich nicht vorwerfen. Sie experimentieren munter mit allem, was ihnen in die Hände fällt. Jeder darf mal ran. Untereinander werden auch gerne mal die Instrumente getauscht, auch während eines Songs ist das nicht unüblich. Damit fordern sie sich und vor allem den Hörer. Wenn es Konstanten gibt, sind wohl höchstens zwei zu finden. Zum einen die Stimme Bakers, der den Songs mit seiner hohen Tonlage einiges von ihrer Komplexität und Unruhe zu nehmen scheint. Zum anderen die Melodien, zu denen sie irgendwie immer zurückkommen. Wie, das wissen die Amerikaner vermutlich nicht einmal selbst.
Am Ende ist Count The Rings ein aufregendes, aber extrem schweres Album, das sich wohl nur einem kleinen Kreis voll und ganz erschließen wird. Während viele schnell aufgeben werden und den Gemischtwarenladen schleunigst wieder verlassen, werden andere zumindest daran Spaß finden, darin zu stöbern. Und vielleicht ja doch irgendwann das gesamte Sortiment auswendig zu kennen.
Tracklist:
- Eyes In The Darkness
- Hot Night Hounds
- Springtime
- Hair Don´t Grow
- Hardwood Floor
- Loxstep
- Turncloaking
- Sweet Sister
- The Giving Tree
- Always Do
- Holler And Howl
Highlights:
Hot Nights Howl, Hair Don´t Grow, Always Do



