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Auseinandersetzung mit dem Hofdichter

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Paul Armfield (12.8.2011)

Sein neues Album Tennyson führte den Barden Paul Armfield auf die Spuren des damals ebenfalls auf der Isle of Wight lebenden Hofdichters Alfred Lord Tennyson. Die Vertonung der Gedichte hat für Armfield nicht nur einen künstlerischen Wert gehabt, sondern hat es ihm ermöglicht sich auf eine besondere Art und Weise dem Dichter zu nähern und mehr über ihn zu lernen. Wie sich der Brite in die Materie eingefunden hat und weitere Eindrücke schildert er uns im Telefoninterview, während er sich passend gerade auf einem Familienausflug in Tennyson Down, einem Hügel auf der Isle of Wight befindet.

AN.de: Hallo Paul, was war der größte Unterschied zwischen der Vertonung bereits existierender Gedichte und dem Schreiben komplett eigener Songs?

Paul Armfield: Das ist eine interessante Frage. Tennyson hat so viel geschrieben, dass ich mir aus seinen Werken etwas aussuchen konnte. Das erste, was ich getan habe, war also die Gedichte zu lesen und alles, was mich musikalisch angeregt hat. Es war ein Ausleseprozess, anstatt mit einem leeren Blatt Papier anzufangen und auf die richtigen Worte zu warten. Da die Worte bereits vorhanden waren, musste ich danach filtern, wie sich die Worte anhören und anfühlen. Normalerweise, wenn ich einen Song schreibe, starte ich mit einer kleinen Idee, die ich dann ausweite. Hier war es ähnlich, denn sobald ich das Gedicht ausgewählt und eine Idee für die Umsetzung hatte, war der Prozess der gleiche. Nur der Anfang war unterschiedlich.

AN.de: Kanntest Du Tennysons Werke bevor du mit dem Album angefangen hast?

Paul Armfield: Nicht wirklich. Das war auch Teil der Idee für dieses Album. Ich führe einen Buchladen auf der Insel, auf der auch Tennyson gelebt hat und die Leute erwarten, dass ich mich mit Tennyson auskenne, was ich aber nicht tat. Ich fühlte mich ein wenig schuldig, dass ich ihn nicht kannte, also dachte ich, dass ich etwas tun muss. Ich beschloss, dass ich mich über die Musik an seine Werke annähern würde, da ich durch das alleinige Lesen keinen Zugang gefunden habe. Ich musste sie mit einer Aufgabe lesen. Viele seiner Gedichte sind sehr lang und episch und deswegen sehr schwierig zu lesen. Es ist als ob man ein schweres Mahl essen würde, man schafft es einfach nicht auf einmal.

AN.de: Dr. Brian Hinton vergleicht Dich an verschiedenen Stellen mit dem Hofdichter, bist Du da seiner Meinung?

Paul Armfield: Ich denke, er tut das, weil wir aus der gleichen Gegend kommen und Tennyson so etwas wie ein Rockstar aus der damaligen Zeit war. Dr. Hinton ist ein Experte für Tennyson, hat aber auch Bücher über Bob Dylan, Joni Mitchell und Elvis Costello geschrieben, er ist also ein Musikhistoriker und studierte Literatur. Ursprünglich hatte ich zwei oder drei Gedichte vertont weil ich es ein interessantes Projekt fand und hatte keine Pläne etwas daraus zu machen. Vor zwei Jahren habe ich diese Dr. Hinton zum 200. Geburtstag Tennysons geschickt. Ich sollte dann zu den Geburtstagsfeierlichkeiten diese Songs aufführen und hatte nur einen Monat Zeit, weitere Gedichte zu vertonen. Er hat dann etwas zu den Gedichten erzählt und ich habe daraufhin die Lieder gesungen.

AN.de: Wie kamst Du auf die Idee Sweet and Low von Mari Persen singen zu lassen?

Paul Armfield: Ursprünglich hatte ich vor, alle Songs von anderen Sängern singen zu lassen, es sollte eine Art Showcase für Musiker von der Isle Of Wight werden. Aber dann habe ich die Songs gesungen und die Menschen schienen es zu mögen. Da ich außerdem nicht so viel Zeit hatte und das Projekt sehr komplex war, habe ich dann doch beschlossen, die Songs selber zu singen. Sweet and Low ist eigentlich ein Schlaflied, das eine Mutter für ihr Kind singt. Also dachte ich, dass ich hier eine Frau brauche, die das Lied singt. Mari Persen habe ich vor einigen Jahren auf MySpace entdeckt. Seither hat sie einige Streicher-Arrangements für mich gemacht da sie eine ausgezeichnete Violinistin und Sängerin ist.

An.de: Nun zu einem anderen Thema: Du führst einen Buchladen auf der Insel, was liest Du momentan?

Paul Armfield: Momentan lese ich ein Buch über Montaigne, einem Französischen Essayisten. Ich lese auch gerne Belletristik und Lyrik, aber ich bin Teil einer Lesegruppe für Sachbücher die sich einmal im Monat trifft. Also geht ein Großteil meiner Lesezeit für Sachbücher drauf. In den letzten fünf Jahren habe ich fast ausschließlich Sachbücher gelesen.

AN.de: Wer ist, außer Dir selbst, Dein größter Kritiker?

Paul Armfield: Meine Frau! Eigentlich ist sie keine harte Kritikerin, sie ist eine begeisterte Unterstützerin meiner Arbeit. Sie hat immer etwas positives zu sagen, allerdings merke ich an ihrer Reaktion, ob es ihr wirklich gut gefallen hat. Sie versucht aber immer die richtigen Worte zu finden.

AN.de: Wie ist Dein Verhältnis zu Deutschland?

Paul Armfield: Ich liebe Deutschland. Wenn meine Familie, meine Eltern und die Eltern meiner Frau nicht hier leben würden, würden wir vermutlich nach Deutschland ziehen. Ich liebe meine Insel, ich liebe die Menschen mit denen ich hier spiele. Was das Land an sich betrifft, liebe ich es, in Deutschland zu sein. Menschen in Deutschland sind offener als in England. Hauptsächlich gefällt mir, dass es viele Zentren gibt, in denen man etwas unternehmen kann. Hier muss man immer nach London fahren. Ich mag die Menschen in Deutschland, das deutsche Essen und deutsches Bier.

AN.de: Was war das Verrückteste, was Dir bisher auf Tour passiert ist.

Paul Armfield: Mir fällt gar nichts ein! Einmal bin ich in Hamburg durch die Straßen gelaufen und da hielt jemand auf dem Fahrrad neben mir an und sprach mich auf meinen Bart an. Wir haben uns dann unterhalten und es stellte sich heraus, dass er ein Künstler war, der tausend Bärte sammelte. Wir sind dann in einen Park gegangen und haben tolle Fotos von meinem Bart gemacht. Mittlerweile sind wir gute Freunde geworden.

 

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