
Das Dutzend - Zwölf Fragen an...
Das Dutzend - Zwölf Fragen an...
... And You Will Know Us By The Trail Of Dead (2.2.2011)
Nur zehn Tage und das neue Album war eingespielt. Was sich nun als Schnellschuss anhört, ist im Ergebnis alles andere als ein unfertiges Etwas geworden. Tao Of The Dead zeigt die alte Stärke der Band aus Texas und präsentiert die Band fast wieder in Höchstform. Grund genug, Conrad und Jason einige Fragen zu senden, da aus terminlichen Gründen ein Vis-a-vis-Gespräch leider ausfallen musste.
AN.de: Ihr habt gemeint, dass euer neues Album Tao Of The Dead von bestimmten Rockbands und deren Alben inspiriert wurde. Könntet ihr uns diese und deren Alben nennen?
Trail Of Dead: Depeche Mode, Kraftwerk, Rush, Yes, Kate Bush, Fugazi. Eigentlich wirklich die, die uns schon immer beeinflusst haben. Oh, und Die Antwoord.
AN.de: Der zweite Song Pure Radio Cosplay (und dessen Reprise) wirkt wie eine Kritik an den Klischees der Rockmusik. Stimmt das? Und es ist somit wenig Zufall, dass Jumping Jack Flash der Rolling Stones aus dem Thema herauszuhören ist?

Trail Of Dead: Ja, das mit den Stones stimmt und es ist kein Zufall. Pure Radio Cosplay ist wie eine Beobachtung darauf, wie sich Rockmusik in eine Art Rollenspiel verwandelt hat. Es werden nur noch selten interessante Ideen oder politische und soziale Diskussionen angeregt, was schon einmal deutlich anders war.
AN.de: Denkt ihr, zehn Tage Aufnahmezeit waren genug? Oder würdest ihr sagen, dass einige Zeit mehr zu einem anderen Ergebnis geführt hätten?
Trail Of Dead: Also diese Frage ist relativ rhetorisch. Das kann ich nicht beantworten und nur eine Zeitmaschine würde uns helfen, diese Frage zu beantworten.
AN.de: Ich denke, dass man in einer solch kurzen Zeit eine Menge Disziplin an den Tag legen muss. Gab es jemanden, der das Zepter in die Hand nahm und die Band gepusht hat?
Trail Of Dead: Nein, den gab es nicht. Wir haben niemals eine Art Chef ausgeguckt und Disziplin war niemals ein entscheidender Punkt. Wir haben uns eher auf eine Art empathischen Flow verlassen und das hat ganz gut funktioniert. Jedes Drängen wäre wahrscheinlich recht kontraproduktiv gewesen.
AN.de: Der Albumtitel wurde von dem chinesischen Buch Tao Te Ching inspiriert. Habt ihr euch wirklich mit dem Buch und dessen Theorien und Thesen beschäftigt und habt diese einfließen lassen? Oder war das nur eine Titelinspiration?

Trail Of Dead: Doch. Die meisten der Lyrics auf dem zweiten Teil basieren auf der englischen Übersetzung des Buches von Jane English. Der Zeitpunkt, als das Buch ins Spiel kam, war eigentlich eher ein glücklicher Zufall, denn ich hatte gerade das Buch The Art Of War gelesen und war von den ähnlichen Ansätzen der beiden Bücher fasziniert.
AN.de: Tao Of The Dead besteht aus zwei verschiedenen Parts, die mit zwei verschiedenen Produzenten aufgenommen wurden. Warum habt ihr euch für diesen Weg entschieden?
Trail Of Dead: Manchmal frage ich mich, ob wir das wirklich entschieden haben oder ob uns eher die Musik dazu gedrängt hat.
AN.de: Warum hattet ihr euch dazu entschieden, den zweiten Teil nicht als EP herauszubringen, sondern eher als eine Art Doppelalbum?
Trail Of Dead: Weil wir das Gefühl gehabt hätten, eine halbleere EP zu veröffentlichen und lieber den Weg gewählt haben, eine sehr vollständige LP zu veröffentlichen.
AN.de: Du hast mal gesagt, du seist mit der Umsetzung der bisherigen Videos unzufrieden gewesen. Wird es bei Tao Of The Dead bzw. bei einer Single aus dem Album, einen neuen Versuch geben?
Trail Of Dead: Ich denke, wir werden es noch mal versuchen. Wir verstehen Fehler als Teil eines Lernprozesse.
AN.de: Conrad, du kreierst und malst die Albumcover und einiges mehr. Außerdem hast du einen Comic fertiggestellt. Worum geht es in dem Comic?
Trail Of Dead: Wenn ich das nun sagen würde, würde ich euren Lesern die Entdeckungsfreude nehmen und das möchte ich nicht. A cruelty I could not commit with clear conscience.
AN.de: Gibt es gar Pläne, das zu verfilmen?

Trail Of Dead: Nein, aber eine gute Idee. Wenn du nichts dagegen hast, greife ich die Idee mal auf und schreibe deinen Namen in die Credits.
AN.de: In der Vergangenheit gab es eine stärkere Kooperation zwischen Kunst, Mode und Musik bzw. zwischen Malern/Zeichnern und Musikern. Ich denke da zum Beispiel an Pushead/Misfits and Metallica, Warhol/Velvet Underground. Warum denkst du, dass heute vielleicht nicht mehr so wichtig ist und stellst du eine Trendwende fest?
Trail Of Dead: Einfach ausgedrückt, haben die Medien gesiegt, weil sie eine ängstliche und eingeschüchterte Gesellschaft aus uns gemacht hat. Durch deren Bombardement mit Angst und Feindseligkeiten und deren Unterteilungen und Unterunterteilungen unserer Interessen durch Genres und Lifestyle-Marketing, suchen wir kaum noch nach Partnerschaften zwischen ähnlichen Künstlern und Denkern. Stattdessen haben wir uns en masse in einen eskapistischen Raum individueller Starre zurückgezogen, der perforiert ist durch den Gebrauch verfremdeter Technologie wie das Internet, das langsam als einzige Methode genutzt wird, um mal nach draußen zu schauen. Um es kurz zu machen: We're fucked!
AN.de: Habt ihr vielleicht Pläne, irgendwannein komplettes Konzeptalbum aufzunehmen?
Trail Of Dead: Wir hoffen, darüber hinausgehen zu können und vielleicht eine Trilogie zu komponieren.


