
15 Jahre "More than music"
15 Jahre "More than music"
Nois-o-lution
Jubiläum! 15 Jahre! Und das nahezu im Alleingang. 1995 begann das kleine Berliner Label Nois-o-lution mit seiner Arbeit und kämpft und liebt sich seitdem durch Musik, Ordner, Ärgernisse, schönste Stunden und vor allem gegen Trends. Das Motto von Betreiber Arne Gesemann: "More than Music!" Er nennt es zwar selber plakativ, aber für ihn ist es "mehr als Musik und mehr als ein Job".
Angefangen hatte alles mit Cassetten. Unter dem Namen Chaos Records vertrieb Arne Gesemann Punkbands. Das war Anfang der 80er Jahre und auch wenn das Vorhaben nur ein Jahr hielt, schien sich die Richtung seines Lebens manifestiert zu haben: Musik. Eigentlich hätte er auch ein Stück deutscher Rockgeschichte als Bandmitglied werden können, schließlich hatte er mit der Grunge beeinflussten Band Slick ernste Teilerfolge. Doch stattdessen gründete er während seiner Arbeit beim Label Vielklang (aus dem auch City Slang hervorging) 1995 das Sublabel Nois-o-lution und während Vielklang aus dem insolventen EFA-Vertriebsverbund ausstieg und seine Arbeit einstellen musste, wagte Nois-o-lution den Alleingang und ging in den Vertrieb von Indigo.
Dass Herzblut allein nicht zu einem 15-jährigen Jubiläum führen kann, ist vor allem in der heutigen Download-Zeit offensichtlich. Die Weiterbelegung des Vinyls ist für hohe Auflagen zu teuer, die CD obligatorisch und die Downloads für Nois-o-lution ein heutzutage notweniges Übel. Doch Arne Gesemann verbiegt sich nicht. Ganz im Gegenteil. Trends sind Nebensache und sollen es bleiben. Die Marschroute bleibt weiterhin eindeutig: DIY auf ganzer Linie und es wird nichts unter Vertrag genommen, hinter dem der Macher und die Musiker selbst nicht stehen. Die beste Kombination für Gesemann scheint es, wenn das Musikalische und Menschliche stimmt. So wurden im Laufe der Zeit u.a. Blackmail, Claus Grabke, The Picturebooks, Scumbucket, Smoke Blow, Steakknife, Ulme, Kate Mosh, Harmful, Genepool, Earthband, Firewater und Mother Tongue genauso unter Vertrag genommen, wie neuerdings auch Jingo De Lunch und die Schweizer Navel, die durch die Insolvenz von Louisville Records vertragslos wurden.
Die Liebe zur Musik scheint das Wichtigste zu sein und das ist zu spüren. Und wie es in DIY-Betrieben so üblich ist, sind die Tage mit 24 Stunen deutlich zu kurz. Produktion, Promotion, Marketing, Organisation, Mailorder versorgen und Touren zusammenstellen kosten Zeit und das dünn besetzte Büro macht fast alles aus eigener Hand, ohne sich von der bebenden Hektik im Umgang anstecken zu lassen. Das schönste Erlebnis in den 15 Jahren? "Morgens die Rolladen hochzuziehen und sich bewusst machen, dass man immer wieder einen neuen Tag als Firma einläutet." So Betreiber Arne. Das spricht Bände und gibt einen kleinen Einblick in das Überleben eines Labels, das sich durchboxen muss: Es sei "Selbstausbeutung. Viel arbeiten, wenig auszahlen,… perspektivisch wird das immer schwerer." Willkommen in der realen Welt der ackernden Idealisten. Und ob nun Firewater oder Mother Tongue die meistverkaufte bzw. erfolreichste Platte in der Geschichte des Labels ist, scheint Nebensache, nicht gerklärt und nicht wirklich wichtig und verfolgenswert zu sein. Das Wichtigste ist, gute Musik zu finden und zu fördern. Auf dass es die nächsten 15 Jahre erfolgreich weitergeht!


