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Galaxie 500 - Reissues

Es dürfte Menschen, welche die Zeit vor dem Indie-Boom der Neunziger verpassten, schwerlich erklärbar sein, wie bedeutend eine wenig spektakuläre Band, nennen wir sie Galaxie 500, zur Zeit ihres Bestehens erscheinen mochte. Diese träge und oft irgendwie dröge und eintönige Musik versprüht im Grunde überhaupt keinen Kitzel, übt keine Faszination aus und baut wenig Spannung auf. Absurd also, sich mit den Aufnahmen des Trios, zwanzig Jahre nach dem Erscheinen ihrer Alben auseinander zu setzen. Doch, auch wenn solche Aussagen eine weitere Beschäftigung wenig ratsam erscheinen lassen, sei vor vorschnell gefällten Urteilen ausdrücklich gewarnt.

Als Galaxie 500 musikalisch beginnen, da prägen fiese Töne den Gitarrenunterground. Nur ganz wenige Ausnahmen sind erlaubt. Ansonsten ist einzig Krach zu vernehmen, welcher Harmonien zu verbergen sucht, traditionelles Songwriting übertönen soll, im Gebaren rebellischer Akustikgesten. Die aggressiven Rock-Attacken und auch der verbale Zorn sind die Norm sämtlicher Subkulturen. Diesen schleppen unzählige Bands mit Punk- oder Hardcore-Background noch längere Zeit mit sich.

Milde Töne haben verstört, argwöhnisch gemacht, nach Schimpfe gerufen und zu Vorwürfen aufgefordert. Ignoranz macht auch Galaxie 500 das Leben schwer. Unheimlich sind ihre introvertierten Popsongs, sie passen so gar nicht in das Aufbegehren ihrer Umgebung. Vom Folk beziehungsweise den einfachen Formen kommend, gründen die Lieder der Band auf wenigen Wandergitarrenakkorden. Es bedarf lediglich noch eines fluffigen Schlagzeugs, ein paar sehnsüchtiger Bassmotive und zurückgenommenen Gesangs. Fertig ist Musik der Schüchternheit: ängstlich, fragend und zaghaft. Und dennoch schön, ohne jegliche Kitschmomente. Today, das Debüt der Studierenden-Band. Sanftmut, oft missverstanden seit 1988.

Ambivalent in der musikalischen Ausrichtung, wie auch in seinem Stimmungsgehalt, irritiert das Nachfolgealbum aus dem Folgejahr ebenfalls. Gerade auch aufgrund der weiterhin realisierten unterschwelligen Trägheit. Die Musik kommt zwar näher an Rockmusik heran, bewahrt aber den individuellen Ansatz, bleibt karg und sparsam. Ein klein wenig kraftvoller allerdings sind die Songs von On Fire dennoch. Produzent Kramer gewährt die Annäherung an psychedelische Gitarrenlieder und billigt einen Hauch mehr lärmende Unruhe. Auf dem Debüt bezieht sich Galaxie 500 lediglich mit Instrumental auf Noise. Mit On Fire wagt die Gruppe den Einzug energischer Phasen.

Die Schwankungen, mögen sie den begrenzten musikalischen Fähigkeiten geschuldet sein, welche noch Today und On Fire prägen, weichen der Klarheit in den Melodien und Strukturen. Zugleich aber öffnet diese Konzentration Räume für geradezu surrealistische Verschleierungen. This Is Our Music arbeitet behände mit federndem Hall und säuselnden Rückkopplungen. Zugleich versteht Galaxie 500 den nun für das Trio möglichen Rock´n´Roll nach dem Vorbild der Velvet Underground, als hypnotisch und grenzenlos. Es bedarf keiner Bändigung mehr. Es darf lärmen und auch leibhaftige Balladen sind bedenkenlos realisierbar. Leider aber ist die  Entwicklung der Band an einem Endpunkt angekommen. Bald nach den Konzertreisen zum Album lösen sich Galaxie 500 auf.

Nachdem sämtliche Studio-Aufnahmen des Trios bereits Mitte der Neunziger als Boxset veröffentlicht wurden, verteilt Domino Records diese nun auf drei halbwegs luxuriöse Zwei-CD-Editionen. Das Uncollected-Album, zuerst als Bestandteil der Box erschienen, liegt dem Galaxie 500-Debüt bei. On Fire ergänzen sämtliche für das britische Radio aufgenommenen Peel Sessions – eine echte Rarität also einstmals und zudem ein Reigen verschrobener Coverversionen. Und This Is Our Music wurde um Copenhagen, die Aufnahmen des letzten Europakonzerts der Gruppe, erweitert. Allesamt, sechs Tonträger, senden herzliche, irgendwie noch immer unwirkliche Grüße aus der Vergangenheit ins dritte Jahrtausend.

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