
Für Morgen.
Für Morgen.
Battles
Seit Jahrzehnten machen Gitarrengruppen auf den Bühnen dieser Welt in Rock oder Funk, Pop oder Punk, Metal oder anderen Genres, welche in den beiden letzten Dekaden kaum noch grundlegende Entwicklungspotenziale ergaben. Respektive hergaben. Das letzte andersartige oder eventuell gar neue Gruppenkonzept förderte Kraftwerk zutage. Die Menschmaschine unter den Ensembles mit der absurden Aufführungspraxis, bleibt ein ganz spezieller Ansatz, der die Musizierenden dann auch tatsächlich verzichtbar macht.
Da funktioniert das Virtuosenquartett Battles ganz anders. Obwohl doch hier ebenfalls die Grenzen zwischen Elektronik und Handwerk oder eben Handarbeit eigenwillig interpretiert werden. Und die Selbstreproduktion erst ermöglicht das Gruppengeschehen, gestattet Pausen und Schichtenmodelle. Jedes Instrument darf, kann, muss geloopt werden. Ausgenommen ausgerechnet das Schlagzeug. Ansonsten wird gerade hier das Gerät bevorzugt - bei den Battles bleibt indes AmRep-Veteran und Tomahawk-Trommler John Stanier erhalten.
Auch noch einige Jahre nach dem ersten Bundesrepublik-Besuch der Band sind die vier versierten Battles-Gestalten gemeinsam die erstaunliche Personifizierung einer elektrisch verstärkten Musikgruppe der nahen Zukunft. Sehr hoch ist das Spielniveau. Trotzdem darf stets getanzt werden, wenn die Stücke während eines Auftritts neu entstehen – und in Berlin wird ausgiebig und intensiv getanzt. Das Gitarrenspiel, welches fast ausschließlich auf Tappings basiert, bleibt erstaunlich, John Staniers hartes Drumming ist weiterhin sagenhaft präzise, das Bassieren prägnant und massiv, das vielschichtige Zusammenspiel über jeden Zweifel erhaben. Nahezu übermenschlich agiert das Ensemble, dafür sehen die Instrumentalisten sehr geschafft aus, übernächtigt und rundherum ziemlich ungesund. Die Musik indes leidet darunter keinesfalls.
Die Battles stehen seit jeher für avancierten, gezielt kanalisierten Klangirrsinn, genauestens konstruiert, dem gerade im Konzert sehr schwer zu widerstehen ist. Um das vorweihnachtliche Festevent in Berlin, Anlass ist das zwanzigjährige Bestehen des einflussreichen Warp Labels, zusätzlich besonders zu gestalten, versprechen die Beteiligten jedoch bereits im Vorfeld Kostproben des neuen, unveröffentlichten Materials präsentieren zu wollen. Das zweite Album, nach dem Debüt Mirrored von 2007, ist bereits vor Monaten für 2010 angekündigt worden.
Die Setliste für Berlin überrascht dennoch. Denn bis auf die umjubelten Bekannten: Tonto, Race In und den Insider-Hit Atlas, konzentriert sich das Quartett in der Tat vollständig auf bisher nirgends zu hörende Tracks. Diese führen das komplexe und anspielungsreiche Geschehen des ersten Albums fort. Viele unerwartete Schlenker in Sound und Melodieführung bleiben. Auffällig ist lediglich, dass weniger gebrochene Rhythmen – wie noch auf den Tracks der beiden Prä-Warp-EPs – und auch eine geringere Zahl Breaks den Stücken eine jeweils atemberaubende Gestalt verpasst. Weltumspannende Dancemusic, mittlerweile klingen auch fernöstliche Einflüsse an, ist das Resultat. Wie die Zukunft tönt – eventuell lediglich die der Battles -, dies bleibt dann allerdings noch abzuwarten, bis das Album endlich erscheint. In Berlin jedenfalls haben die Battles wieder einmal viele Menschen glücklich gemacht.


