
Wer ist man schon?
Wer ist man schon?
Digger Barnes
Ein echtes Nordlicht ist Digger Barnes, alias Kay Buchheim. Wer hätte das gedacht? Klingt Digger Barnes doch wie ein Amerikaner, singt über die weite Wüste und spielt das Banjo und die Mundharmonika als ob er nie etwas anderes in seinem Leben gemacht hätte. Doch mit solchen Identitätsproblemen schlägt sich Kay Buchheim nicht herum.
Schon in jungen Jahren hat ihn eher die Musik aus Amerika interessiert, als die Musik aus dem nahen Umfeld. Zudem hat er seit zwei Jahren mit Chuck Ragan und Austin Lucas und ihren Landsmännern zu tun und befindet sich des Öfteren auf Tour mit ihnen. "Diese Amerika-Sehnsucht", erzählt uns Digger Barnes dazu in einem Interview vor seinem Konzert als Support von Chuck Ragan im Kölner Underground, "die hab ich auch als Kind schon immer gehabt. Das war irgendwie toll, cool und ich hab auch früher im Wald Cowboy gespielt. Später kam dann die Musik, das Songwritertum. Dann hat es sich aber irgendwann so komisch verdreht weil ich dann auf einmal wirklich die ganze Zeit mit diesen Typen zusammen war. Gerade auf der Revival Tour, was ein Zusammenschluss von verschiedenen Songwritern ist. Durch den permanenten Umgang mit diesen ganz unterschiedlichen Leuten und Charakteren, die aber alle irgendwelche Stereotypen verkörpern, ist für mich auf einmal alles so Real geworden und ich musste mich auch wieder auf meine deutschen Wurzeln zurückbesinnen. Da war dann plötzlich eine Verschiebung da."
Mit seiner Identität spielt Kay Buchheim und setzt dabei Digger Barnes ganz bewusst als Kunstfigur ein. Die Figur Digger Barnes dient somit als Puffer zwischen eigener Persönlichkeit und Bühnenpräsenz. So kann Kay Buchheim über Dinge singen, die für Digger Barnes Persönlichkeit stehen. Zwar verwischt die Bühnenpräsenz zwischenzeitlich mit der eigenen Person, jedoch bleibt sie dabei als eine Art Zwischenstation bestehen. Die Schwierigkeit, die sich ihm bietet erklärt Digger Barnes wie folgt:"Auf Englisch singen ist einfach. Eine Phrase wie I Love kann man einfach als Modulation für eine einfache Melodie nehmen. Das mache ich ja nicht, oder ich hab's sehr wenig gemacht, ich hab eigentlich eher gesprochen. Das finde ich selber auch schwierig als Deutscher, weil Erzählung eher verbunden ist mit so einem komischen Authenzititätsding. Das fängt dabei an, dass ich meine Ansagen ja alle auf Deutsch mache und dann rede ich im gleichen Tonfall auf Englisch weiter, das ist irgendwie sehr fragwürdig. Manchmal habe ich aber auch bewusst Ansagen auf Englisch gemacht, als Teil des Konzepts." Natürlich wird dadurch auch eine andere Art von Reaktion hervorgerufen und die Authentizität kann nach Hinten losgehen, wenn einem die eigene Herkunft plötzlich nicht mehr abgenommen wird.
Diese Identitätsproblematik scheint aber nur in Deutschland eine große Rolle zu spielen. In Skandinavien und Amerika stellt sich die Frage der Herkunft anscheinend gar nicht. Dort ist nur wichtig, dass man Musik macht und dass es gefällt. Und das macht Digger Barnes auch. Als ehemaliges Mitglied einer Punk Rock Band hat es ihn, wie viele seiner Kollegen auch, als Songwriter in die Folk/Country Schiene verschlagen. Die Erklärung dazu hört sich ganz plausibel an: "Ich habe parallel auch immer sehr unterschiedliche Musik gehört. Ich glaube bei vielen Leuten hat das viele Gründe. Einerseits brechen viele Bands irgendwann auseinander und die Leute, die immer Songs schreiben wollen machen unabhängig weiter. Und es ist auch nicht so einfach, je älter man wird, die Leute zu finden, die als Band funktionieren. Viele haben vielleicht auch immer ihre Songs auf der Akkustikgitarre geübt. Vielleicht ist es auch einfach eine Schlussfolgerung, dass wenn man mit Mitte 30 nicht mehr wild auf der Bühne rumspringen mag, eine andere Form sucht und da ist es dann doch noch nah dran."
Mit dieser Einstellung ist er bei der im kommenden Herbst in Nordamerika stattfindenden Revival Tour sicherlich nicht der Einzige. Zumal er sich dort mit alten Punkrockern wie Chuck Ragan, Jon Snodgrass, Tim Barry oder Chad Price die Bühne teilen wird. Ob es diese Tour auch in Europa geben wird, ist noch nicht sicher, aber angedacht. Da die teilnehmenden Künstler in Amerika alle schon einen Namen haben, sind sie dort ein Publikumsgarant und sichern die vollen Kassen, hierzulande können sie das aber sicher noch werden.


