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Blackmarket - Ticketverlosung für Gig in Köln + 1 x T-Shirt - Plan Three
Verlosung für Showcase auf der Popkomm - Newsflash vom 02.09.2010
Mit Røyksopp, Chris Martin, Cancer Bats und "unhearit" - Newsflash vom 01.09.2010
Mit der Persistence Tour, Kid Rock, Samian, Blink 182 und The Black Pacific - Newsflash vom 31.08.2010
Mit Jimmy Eat World, The Pogues, Bad Religion, Arcade Fire und Amy Winehouse - Alternative Nation
Oliver Koletzki ist ist im Liebesrausch (+Albumverlosung) - Alternative Nation
Albumplayer zu den Alben von Brandon Flowers und Interpol - Newsflash vom 30.08.2010
mit Propagandhi, Sacrifice, Baroness, Joey Cape, Drag The River, Sufjan Stevens und Herrenmagazin - Newsflash vom 27.08.2010
Mit Bier, Phoenix, Jesus, Extasy und Donots - Newsflash vom 25.08.2010
mit Blood Red Shoes, Ron Wood, Avenged Sevenfold, Reamonn und Ringo Starr
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Interpol
Interpol
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Allo Darlin' - Brandon Flowers
Flamingo - Spermbirds
A Columbus Feeling
Eine Label-Geschichte (Teil 2)
Eine Label-Geschichte (Teil 2)
Touch And Go Records
What´s The Deal?
Es wird unruhig im Gitarrenuntergrund der späten Neunzehnhundertachtziger, allerdings auch neben und fernab von Proberäumen, schäbigen Kneipen, kleinen Clubs und College-Radio-Stationen. Nach der aufmüpfigen und zornigen Phase des Absonderns entwickeln immer mehr Bands, die vom derben Krach und den gebrüllten Schreigesängen kommen, einerseits verträglichere und gemäßigtere Klänge. Sie lösen ihre ursprünglich strikte Abgrenzung vom großen Fundus der populären Musik, beziehen sich wohlwollend auf die Vergangenheit, ganz explizit auf die Sechziger, den Beat, die Garage, Surfmusik, psychedelische Trips und akustische Hippieabenteuer zwischen Folk und langer Improvisation.
Damit geht, andererseits und fast zwangsläufig, größeres Interesse, von unterschiedlichen Seiten, einher. Das Publikum wächst, die Akzeptanz des Andersartigen kann gedeihen und daraufhin entdecken große Musikkonzerne kommerzielles Potenzial in zuvor nur schwer konsumierbarer Rüpelei. Langsam aber unaufhaltsam lösen Netze verwobener Geschehnisse Subkulturen auf, der Mainstream der Minderheiten entsteht. In kaum zu vergegenwärtigenden Grenzbereichen gehen während des Übergangs von den Achtzigern in die Neunziger erste Indie-Bands zur Industrie. Hüsker Dü, Sonic Youth, die Meat Puppets, die Lemonheads, Soundgarden und Dinosaur Jr., sie alle unterschreiben Verträge bei Major Labels.
Auch Touch And Go erfasst einer der ersten Ströme des lukrativen Abwerbens. Gerade die versponnenen, durch schroffe Lärm-Collagen ausladend aufgefallenen Butthole Surfers sind es, die als erste den großen Sprung ins Business wagen. Zu Beginn dieser Entwicklung it Corey Rusk enttäuscht von diesen Ereignissen. Schließlich sind alle Musizierenden, welche auf seinem Label Lieder veröffentlichen mit ihm befreundet, denen er von Anbeginn der Touch And Go-Existenz an sogar so sehr vertraut, dass niemals Vereinbarungen schriftlich fixiert werden. Das gegebene Wort allein zählt, Firma und Band teilen sämtliche Umsätze gerecht. Auch die Butthole Surfers sind mehr als Geschäftspartner, deshalb schmerzt die Trennung. In der Folgezeit, fast ein gesamtes Jahr lang irritiert und enttäuscht, denkt der wohl fairste aller Labelbetreiber ans Aufhören.
Doch Rusk wird sich bewusst, dass er sich an solche Praktiken zu gewöhnen hat – er verliert in der Folge auch die durch Tarantino bekannt gewordenen Urge Overkill. Er ist der Entdecker, sein guter Geschmack leitet ihn bis heute, doch ökonomisch besonders ertragreiche Ernten wollen andere einfahren.
Hype
In den Neunzigern, bereits in Chicago angekommen, verändert Rusk weiterhin den Charakter der von ihm veröffentlichten Musik. Nach der Post-Hardcore-Entschleunigung und lärmenden Akkordwust-Intensivierung der zweiten Hälfte der Achtziger fächert er seinen guten Einfluss – durch die Gründung des Labels und den Aufbau eines fairen Vertriebs für Indie-Labels –, und das musikalische Spektrum weiter auf. Während der Nirvana-Hype der gesamten langhaarigen Westküste Rockstardom verspricht, solange nur die Gitarren tief hängen, Fuzzboxen und Wahwah-Pedale röhren und quietschen, bleibt Rusk seinen Grundsätzen, Gepflogenheiten, seiner Offenheit und Begeisterungsfähigkeit treu.
Neben den Donnerkapellen, den wütend Rock sezierenden Jesus Lizard, den schmucklosen Grauton-Arrangeuren von Tar, den walzenden Kepone und den Bluesverdichtern Mule, nimmt Rusk introspektivere Bands auf. Darunter die erst nach ihrem Ableben wirklich wahrgenommenen Slint – epochal ihr zweites und auch letztes Album: Spiderland - und das aus Bitch Magnet hervorgegangene, sanfte Melodienspektakel Seam.
Doch auch diese manisch wie magisch anziehenden, nahezu schizophren zwischen Lieblichkeit und Brachialität pendelnden Gruppen, sind nur eine Ebene der unermesslich weiten und komplex verzweigten Gitarrenvielheitsgalaxien. Ihnen begegnet Rusk mit Man Or Astro-Man?, den verrückten Professoren und Science-Fiction-Anti-Rockern á la Devo für die Surfgitarre, mitsamt anachronistischen, retro-ulkige Weltraumszenarien. Hinzu kommen Girls Against Boys, mit ihrer unterschwelligen Aggressivität und laszivem Groove. Eine wilde Bestie wie Don Caballero, deren virtuose Instrumentalität, zwischen Metal-Ballung, repetetiven Vieltonmeditationen und polyrhythmischer Vertracktheit, Dichte und Komplexität neu zu definieren scheint. Polvo, eine der beständig wandelbarsten Indie-Rock-Bands zwischen allen Gemeinplätzen: ewiger Aufbruch.
Steve Albini, über lange Jahre guter Freund und Ratgeber, bleibt Rusk als Produzent treu, ebenso als Musiker. Nach dem Ende von Big Black kommen auch seine folgenden Gruppen bei Touch And Go unter, erst die kurzlebigen Rapeman, dann die noch immer unvergleichlich rüden und bis heute hoch verehrten Shellac, das ungestümste der mächtig druckvollen, hochkonzentrierten Powertrios mit unverwechselbarer Präzisionswucht.
Sie alle können sich auf Rusk´s Musikliebe und seinen Idealismus verlassen, sie haben sein Wort.
Krise? Party!
Das dritte Jahrtausend verängstigt viele der großen Produktionsfirmen der Musikindustrie. CDs sind kopierbar, mehrfach, zahllos, ohne Qualitätsverlust; verschlankte Musikstücke sind als Downloads verfügbar, massive Gewinneinbußen bedrohen die Mächtigen und setzen ihnen gehörig zu. Für Corey Rusk gibt es zu Klagen allerdings keinen Grund. Die Jahre der oft beschworenen Krise sind die lukrativsten für Touch And Go, der gute Ruf eilt mittlerweile längst voraus, das Internet macht den Output präsenter, die in ihrer gepflegten Sorgsamkeit aufwendige Backkatalog-Politik zahlt sich aus und auf seinen Geschmack kann sich Rusk – nachweislich – nach wie vor und weiterhin vollkommen verlassen.
Nun ist er zur richtigen Zeit am richtigen Ort, in Chicago und virtuell weltweit. Rusk schläft auch gegenwärtig wenig – nachdem in den Achtzigern und Neunzigern die nur leicht gelogenen Worte die Runde machen: „Rusk Never Sleeps!“ -, vertieft sich in aktuelle Strömungen, spürt spannende Neuerungen auf, mit seinem Team befreundeter Menschen, die in den Touch And Go-Büros sitzen oder in ihren Übungsräumen agieren. Und er verbreitet Musik, die wichtig ist, weil sie berühren kann.
Hellhörig trotzt er den Schreckgespenstern der Geschäftspraktiken, fähig weitere Entdeckungen zu teilen, fördert Tanzmusik, versponnene Blues-Operetten, Soul. Auf die Yeah Yeah Yeahs, Enon und !!!, Quasi, CoCoRosie und TV On The Radio macht zuerst Touch And Go aufmerksam – bevor sie ein riesiges Unternehmen wegschnappt.
Diesen Anlass darf Chicago, Rusk´s Wahlheimat, an einem langen Wochenende feiern. Vom achten bis zum zehnten September begehen Dutzende von nahe stehenden Bands – darunter einmalig wiedervereint Scratch Acid und Big Black – und über siebentausend Fans zwischen sechzehn und sechzig Jahren, bei bester Stimmung, das Jubiläum des, nach Steve Albini´s Meinung, wichtigsten und einflussreichsten Indie-Labels der Vereinigten Staaten von Amerika.
