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Melvins (25.10.2011)

Eine der dienstältesten Rockalternativen verlängert ihr Leben auch durch Selbstverjüngung. Seit einigen Jahren ist das Duo Big Business eine Hälfte der Melvins, neben Buzz und Dale. Wer aber weiss, wozu die legendären Melvins fähig waren und wozu zwei Schlagzeuger gerade im Konzert fähig sind, muss diesen Abend aus seinem Gedächtnis streichen wollen. Denn es wird höchstes Ansehen geopfert und Rufschädigung betrieben. Und dies durch die Protagonisten selbst, so gewollt.

In den Neunzigern gelten selbst in intellektuellen Kreisen die Hard Rock- und Metal-Dekonstruktionen der Melvins als Ausweg. Laute Gitarrenmusik ist verdächtig geworden, auch im Zuge des Seattle-Hypes, welcher die Grenzen zwischen Subkultur und Mainstream, zwischen Indie- und Major-Labels aufhebt. Sie muss mit ihnen und Alben wie Houdini, Stoner Witch, Stag oder Honky nicht dumm, selbstgefällig, pathetisch und langweilig sein, sondern das Gegenteil all dessen - basierend auf der Vorarbeit: Ozma. Nun aber sind die Melvins an einem ganz seltsamen Ort angekommen. Und damit ist nicht das Bremer Kulturzentrum gemeint.

Was das Quartett an einem kalten Herbstabend veranstaltet, ist fürchterlich, vermittelt bisweilen den Eindruck der Selbstaufgabe. Während einstmals sämtliche Klischees des stupiden Rocks drastisch entschleunigt, skelettiert, genüsslich zermalmt, heftigst übersteuert oder ähnlich bearbeitet worden sind, erschreckt das aktuelle Set mit dröhnenden Midtempo-Nummern über die die Melvins der Neunziger wohl nur herzlich wie ausgiebig gelacht hätten. Oder soll das Platitüden-Gebrate nun die finale Pointe sein? Die letztmögliche Art der Provokation? Doch mit welcher Intention?

Die Horroshow der Band ist über weite Strecken unerträglich - und das nach siebzehn Jahren Bremen-Abstinenz. Zähe Stampf-Hymnen werden lärmend präsentiert. Dazu mimt King Buzzo, mit eingezogenem Kopf, erhobener Gitarre und aufgerissenen Augen die Bühnenpersona des Kiss-Bassers Gene Simmons. Schlimmer sind dann nur noch die zahlreichen Schlagzeug-Soli, -Duos und -duelle. Schrecklich einfallslos, unpräzise und viel zu lang wird ausschließlich getrommelt. Gruselig. Einige der älteren Songs im Mittelteil, eingeleitet durch ein zügiges It's Shoved, verweisen auf Möglich- und Fähigkeiten. Doch die Melvins imitieren eine uninspirierte Rockshow der späten Siebziger, wirken damit wie eine degenerierte Selbst-Parodie. Die Erkältung des Sänger-Gitarristen kann dies kaum zu verantworten haben.

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