
London, The Lexington
London, The Lexington
Mother Mother (10.10.2011)
My pub is my living room! Diese Maxime haben sich die Briten auf die Fahne geschrieben; und an einem Ort wie The Lexington merkt man genau, was sie damit meinen: Über dem gemütlichen Pub mit rotgemusterten Tapeten, dicken Vorhängen und Wacken-ähnlichen Bullenschädeln befindet sich der kleine Konzertraum, in den mit gutem Willen und jeder Menge Körperkontakt maximal 100 Leute reinpassen. Auch dieser Raum erinnert mit flauschigen, roten Filzvorhängen und gemütlichen Leder-Sitzecken eher an ein lauschiges Wohnzimmer – in dem aber gerockt wird, bis die Schwarte kracht!
Den Anfang macht Younghusband, eine junge Band aus London. Mit ihrem sphärischen Mix aus Grunge, Lo-fi und Psychedelic bringen sie zwar das Tanzbein nicht unbedingt zum Schwingen (einige verbleiben auf ihrer kuscheligen Sitzgelegenheit), wärmen aber das Publikum schon mal vor und überzeugen mit Talent und gutem Sound.
Als die drei Jungs und zwei Mädels von Mother Mother die Bühne betreten, erheben sich auch die hartgesottensten Sitzfans, um mit ihren Lieblingen aus Vancouver zu rocken. Chasing It Down eröffnet das Set und bringt ordentlich Stimmung in die kleine Bude. Es passt alles: die gute Akustik, der stramme Sound, der wie immer herrliche dreistimmige Gesang von Ryan, Molly und Jasmin, die intime Atmosphäre sowie die immer lockerer und emotionaler werdenden Fans. Insgesamt erinnert das Konzert oft an eine Jamsession: Unaufdringliche Improvisationen und Instrumental-Einlagen lassen auch altbekannte Songs in einem spannenden, neuen Licht erscheinen.
Auch wenn die Songs vom aktuellen Album Eureka sehr gut beim Publikum ankommen, so lässt sich nicht verleugnen, dass die Herzen noch insgeheim für die Songs des Vorgängeralbums O My Heart schlagen. Als die Kanadier als dritten Song des Sets Body Of Years anspielen, beginnen alle, begeistert zu johlen und mitzusingen. Wrecking Pile oder Dirty Town (vom ersten Album Touch Up) kommen ebenfalls besonders gut an. Doch nicht nur musikalisch ziehen Mother Mother die Fans in ihren Bann: Auch Ryans und Mollys Flirts mit dem Publikum sind mehr als gekonnt und wissen zu verzücken. Doch die Jungs und Mädels setzen noch einen drauf und bringen zum Ende des Sets The Lexington mit O My Heart und Hayloft zum Kochen. Es wird wild getanzt, gesungen, gefeiert – Band und Fans haben sichtlich Spaß. Nach einer Zugabe (Ghosting) ist der gemeinsame Montagabend mit den sympathischen Mädels und Jungs aus Vancouver auch schon wieder vorbei – aber besser hätte die Woche nicht beginnen können. Danke, Mother Mother!


