
Berlin, Magnetclub
Berlin, Magnetclub
Destroyer (7.8.2011)
Ein ausgezeichnetes Musikwochenende, welches das kaum zu übertreffende Puschenfest einläutete, endet mit den neuen Lieblingen des Feuilletons: Destroyer. Bevor die Band um den zotteligen Flüsterer allerdings ihre Popphantasien realisiert, beginnt die zum Duo geschrumpfte Band Zulu Pearls. Aus dem Laptop kommen die Drumloops und wummern die Bässe. Dazu wird live gesungen und Gitarre gespielt. Da die Arrangements und Sounds den Idealen des Achtzigerjahre-Poprocks sehr nahe kommen, kommt der Auftritt gut an. Mindestens so, wie das Best Of-Album von Steely Dan, welches nach Türöffnung, in der Umbaupause und nach den Auftritten gespielt wird.
Mit populären Posen des Überschwangs und fröhlicher Popattitüde hat Destroyer wenig gemein. Wo das Album Kaputt durchaus noch auf verharmlosende Berieselung setzt, auf Milde, geradezu schwerelos sanft schwebt und harmonisch einzulullen vermag, verschärft das Destroyer-Konzert die subtilen Untertöne der Studioaufnahmen. Die Träume der Muzak zerbersten gemächlich im Verlauf des Konzertabends. Und die Texte sind im Angesicht ihres Schöpfers unleugbar wichtiger wie wuchtiger Bestandteil der liebreizenden Mogelpackung Wohlbefinden. Es wird abgerechnet, ohne aber die Stimme zu erheben oder den Zeigefinger des Besserwissers.
Während die Musik kompakt bis opulent dudelt, im Konzert jedoch auch an lebendigem Charakter gewinnt, wofür vor allem Trompete und Saxophon verantwortlich zeigen, wispert Bejar seine No Future-Gedankenwelt in den Clubraum. Aus der Einsamkeit heraus vermittelt er mit leiser Eindringlichkeit seine Botschaften der Verachtung und imaginiert die Apokalypse. Während die Töne Sicherheit versprechen, kontert die Textebene - radikal, doch bewusst kleinlaut.
Ein weiterer Unbehagen-Ttiel wie Song For America wird zwar die Welt nicht verändern, kann aber durchaus kritisch Stimmen bekräftigen. Nüchtern, nahezu reglos geht der Kopf von Destroyer vor. Für gute Unterhaltung vermeintlich
reserviert wirkend, ist ihm seine Sache indes viel zu ernst. Kein Entertainer: Dan Bejar, spannende Popularmusikinterpretationen: Destroyer.


