
Play In The Summer
Play In The Summer
Trans Am (15.7.2011)
Eingebettet in einen leicht schrillen Tanzabend sind die drei Musiker von Trans Am bestens aufgelegt. Trotzdem aber bleibt das Set des späten Abends vorhersagbar und auch zeitlich etwas limitiert. Nach einem einstündigen Set folgt lediglich eine verspielte Zugabe: Play In The Summer. Die Entscheidung zur Kürze dürfte allerdings auch das Publikum bedingt haben. Höchstens zwei Drittel der Anwesenden bleiben während des gesamten Konzerts im Raum vor der Bühne. Wohin die anderen fliehen, bleibt wohl ein weiteres unaufklärbares Geheimnis Hamburger Arroganz.
Verständlich ist die Flucht nicht, signalisiert doch Trans Am von Beginn an Sympathie, Stadt-Verbundenheit und auch Spielfreude. Zudem soll ein Bandjubiläum gefeiert werden. Dies zumindest verrät die Ankündigung des Abends. In dessen Verlauf weist nichts und niemand darauf hin. Es regiert vielmehr der ganz normale Trans Am-Wahnsinn. Dieser beruht vor allem auf der Vergegenwärtigung der Achtziger, was Musik aber auch Mode betrifft. Muskel-Shirt, Netz-Hemd, Schweißband, enge Jeans, mächtige Goldketten und Scheitelfrisuren sind optische Verbindungsstücke in die nicht enden wollende Dekade. Hörbar aufgearbeitet wird sie nach bestens bekannten Strukturen und mit angemessenem Sound.
Vocoder-Stimmen, strikte Drum-Loops, Metal-Riffs, sägende Synth-Bässe und schwelgerische Synthesizer-Flächen, präzises, antreibendes Trommeln und Delay-Gitarrenlinien lösen Zeitverläufe auf. Jedes Album der Bandgeschichte wird berücksichtigt, selbst die erste EP und das frühe, grenzenlose Meisterwerk Surrender To The Night. Souverän hämmert die Band reduzierte Rocker, mäandert durch krautige Instrumentalstücke und discofiziert auf menschlichem Drumming fußende Synth-Tracks. Gerade das Schlagzeugspiel ist es dann auch, welches das Treiben zusammen und das Publikum bei Laune hält. Ohne die genauen Phrasierungen und diese aufreizenden Tom-Wirbel wären viele der Stücke lediglich gelungene Jams. Doch die Drums steuern das Geschehen und markieren Details, zudem beweisen sie, wie lässig mit Tightness umzugehen ist. Ohne Verzicht auf Ironie, Schmunzeln und Rest-Coolness ist doch die Mensch-Maschine der wichtigste Musizierende der retroaktiven Futureworld-Gegenwart.


