
Dreigewaltigkeit
Dreigewaltigkeit
Russian Circles und Boris (11.7.2011)
Das Duo gestaltet den Anfang, das Trio den Mittelteil und das Quartett das Ende des lauten Sommerabends. Erst Saade, dann Russian Circles, abschließend Boris. Die Exilzeit der Einrichtung Hafenklang sind vorüber. Endlich passt der Name wieder zu seinem Standort.
Saade sind sehr dankbar für die aktive Beteiligung an den musikalischen Geschehnissen. An Schlagzeug und Gitarre entwirft die Kleingruppe wüsten Rock, der klanglich und strukturell an Kyuss epischere Stücke erinnert. Lediglich gesanglich wird weit weniger dick aufgetragen. Fette Riffs, ein feiner Gitarrensound und grundsolides Drumming lassen eine Hand voll Songs auf einen lautstarken Abend einstimmen.
Zwischen den rustikalen Eröffnungsnummern und dem gestenreichen Gebaren des japanischen Lärm-Kultes Boris wirkt die souverän konstruierte Musik der Russian Circles leicht deplatziert. Als Trio aber, nach Jahren der Zweisamkeit, gewinnt die Band umgehend sämtliche Sympathien des Publikums und lässt die Menschen intensiv bis wild nicken. Aus Heavy Metal-Versatzstücken und filigranen Post-Rock-Linien entwickelt die Gruppe aus Chicago Kompositionen von nahezu klassischer Schönheit und Erhabenheit, die dann, am Dynamik-Höhepunkt, völlig unpeinlich zum Fäuste recken und Headbangen einlädt. Was dann auch geschieht. Wundervolle Instrumentalmusik wie diese, samt nuanciertem, verführerisch vilegestaltigem Schlagzeugspiel, packenden Basssounds und flächiger Gitarrennutzung, macht wahrlich glücklich.
Boris dagegen war als Krach-Wahnsinn mit metallischem Unterbau erwartet worden. Vorhersagbarkeit trotzend beginnt die Band allerdings mit dem psychodelischen Langzeitsong Flower Sun Rain ihres Smile-Albums. Schon mit dem Opener wird klar, dass Boris ein eigenwilliges Monstrum ist. Als solches schleppt es sich durch Sludge-Rock, überrascht auch mal mit einer Uptempo-Shoegaze-Hymne und badet in Verzerrer-Wällen. Der Poser-Vorwurf mag Japan bisher fremd geblieben sein. Ansonsten wären die Hair-Metal-Gesten, absurde Publikumsmotivationsmanöver, der ausgiebige Gebrauch des Gongs und des hochgerissenen Gitarrengenitals absurde Phänomene. Neben dem Hang zum Dumpfrock darf allerdings der wahnwitzig gute und unglaublich laute Solosound der Gitarre keineswegs unterschlagen werden. Auch, wenn die Vintage-Pedale hin und wieder aussetzten, jenseits von Neil Young und J. Mascis sind auf diesem Planeten wenige entfesseltere, gerade noch mit


