
Bielefeld, Seidensticker-Halle
Bielefeld, Seidensticker-Halle
Beatsteaks (26.3.2011)
"Lemgoer, Bielefelder, Herforder...all ihr Käffer, seid ihr daaaaa?" schreit Arnim, der Frontman der Beatsteaks, 8000 Fans entgegen. Sie alle sind gekommen, vielmehr gepilgert in kleinen, ameisenähnlichen Schlangen vom Bahnhof, Parkplatz, Sofa in die an diesem Abend ausverkaufte Seidenstickerhalle. Aus der kalten Dunkelheit hinein in die noch wohlig warme, aber sehr bald schweißtreibend elektrisierte Luft. Die meisten sind Jungs und Mädels im Alter von 15 bis 25. Eine neue Generation an "Punk-Poppern"?
Anheizer des Abends sind Trip Fontaine. Ein Mix aus Comeback Kid, Bloc Party, Mogwai - vorgetragen von fünf energiegeladenen Jungs. Sie wirken auf den ersten Blick wie brave Musiker und scheinen zunächst von der Masse beeindruckt. Aber als die ersten Töne den Raum durchschweben, merkt man, dass sie als Band eine guten Drive entwickeln und sich gegenseitig in die Songs pushen. Manchmal hart und schreiend, dann wieder melodisch und ruhig. Das macht Lust auf mehr.
In der Halle herrschen mittlerweile tropische Klimaverhältnisse, die 40 Minuten Umbaupause im sterilen Neonlicht machen das Armeisenvolk träge. Als dann endlich die Band des Abends die Bühne betritt. Kurz Aufstellung gesucht, und schon geht’s "1,2,3,4...this is Atomic Love!". Die Berliner Jungs bringen die Halle langsam in Stimmung. Die neuen Songs kommen zwar gut an, müssen sich aber erst ihren Platz im Beatsteaks-Universum erkämpfen. Richtig zum Mitgröhlen kommt man da eher bei den Zwischenansagen, die Arnim gern ausführlicher inszeniert. Dort erfährt der Besucher z.B. auch, dass Deutschland 4:0 gewonnen hat oder dass ein Spendenaufruf für die Tsunami- und Erdbebenopfer in Japan gestartet wird. Das mag den alten Herren genug Zwischenzeit zur Regeneration gegeben haben. Danach geht es in immer höherem Tempo voran und als es Hello Joe heißt, löst sich scheinbar die Trägheit von den Poppern und die Punks in ihnen schreien es aus sich heraus. Schroffe Pogonummern, melodische Acousticparts und ein Halleluja von Leonard Cohen lassen die Punker und Popper tanzen, singen und ihre Handys schwenken. Die Band versprüht einfach "Party", da singen plötzlich Band und Popper zusammen sogar One More Time! von Daft Punk auch wenn Arnim diesen Song nur kurz angespielt hatte. Sie haben alle auf ihrer Seite. Nasse pogende Körper prallen aufeinander und übertragen die Energie wellenförmig bis in die hintersten Reihen.
Als nach der zweiten Zugabe die letzten Töne von I Don't Care As Long As You Sing im Raum verhallen, blendet die Regie über zu Don't Look Back In Anger und wie könnte ihnen diese zu einem Partyvolk verschmolzene Gemeinde nur böse sein? Ohne Ansage gröhlen alle noch einmal zusammen "And sooooo Sally can wait..." und suchen sich dann ihren Pfad heimwärts. ...aus welchem Kaff sie auch stammen mögen.
Die Bildergalerie:
(Photos by Kai Uwe Oesterhelweg)


