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Tim Kasher (15.2.2011)

In seiner Band Cursive ist Tim Kasher ein Teufel. Da schreit er, windet sich, kotzt einem die Emotionen vor die Füße. Bei The Good Life ist er ein humorvoller Geschichtenerzähler, der sich einen wunderbaren zweistündigen Konzertabend zusammen mit seinen Gästen noch wunderbarer trinkt. Allein ist er fast ein wenig harmlos, ein komischer Mitdreißiger-Kauz mit einem ausgeprägten Hang zum Sarkasmus, ein sympathischer Kerl, dem man niemals sein Bier anvertrauen würde, ihm dafür aber liebend gerne einen Drink nach dem nächsten ausgibt. Ein Thekennachbar, ein Mitverschwörer in schlimmsten Liebeskummerzeiten.

In den ersten Reihen der wohlig-warmen Privatclub-Höhle hat sich unauffällig auch Kummer-Spezi Gisbert zu Knyphausen unter die Menge gemischt. Und als sich Tim Kasher zusammen mit seiner Vorgruppe Mexican Elvis, die an diesem Abend auch Hauptgruppe sein sollte, auf der Bühne des Berliner "Privatclubs" einfindet, lässt sich schon erahnen, dass es ein Spitzenabend wird. Begleitet von den Münchenern startet Kasher mit Songs seines Soloalbums The Game Of Monogamy und wirft augenzwinkernd in die Runde, dass er mit Freude auch ein paar Coverversionen solch begnadeter Bands wie Cursive oder The Good Life spielen wird. Aber natürlich ist es vor allem sein Abend. Es ist ein Tim-Kasher-Abend mit Tim-Kasher-Songs, die er ausnahmsweise nur für sich geschrieben hat. Von der Opulenz aus alten Zeiten hört man daher wenig. Von der Stimmgewalt des 36-Jährigen, die bei den auf ein Minimum reduzierten Solo-Stücken voll zur Geltung kommt, dafür umso mehr.

Nach anfänglicher Zurückhaltung, legt Tim Kasher einen Gang zu, schreit in den Raum, beackert seine Gitarre und liefert den Cursive-Übersong Driftwood in einer berückend, bedrückend intimen Version ab, wie man ihn bei Cursive ziemlich sicher nie hören wird. Hätte sich der Mann aus Omaha daran erinnert, wie das mit den ganz alten Songs, mit Great Decay zum Beispiel, funktionierte – es hätte ein einziges großes Wunschkonzert werden können. So stiefelt er nach rund 60 Minuten von der Bühne. Schön war's. Kein Vergleich zu den energetischen Auftritten mit Cursive, zu den herrlich versoffenen Abenden mit The Good Life. Aber wer will Tim Kasher an dieser Stelle schon mit sich selbst vergleichen? Einen Mann, der live auch ohne Band mehr als genug zu bieten hat.

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