
Ein Sommerabend
Ein Sommerabend
Japandroids (8.7.2010)
Die kanadischen Boys haben ihre Heimat verlassen, um den alten Kontinent zu rocken mit sperrigen Liedern, welche über die heimatlichen Geschehnisse ungeschönt Auskunft zu geben.
Als Duo agieren die Japandroids direkter als so ziemlich jede andere Gitarrenband. Was als Aufnahme dann oft holprig erscheint und dilettantisch, übersetzt der Auftritt in eigenwillige Lebendigkeit. Denn tatsächlich ändern die beiden Kanadier während der Songaufführungen desöfteren das Tempo. Augenscheinlich haben die beiden Musizierenden sich diese Kunstgriffe selbst begebracht, denn ihre gemeinsame Spielweise deutet in jedem Moment autodidaktische Selbstermächtigung an und vollzieht sie treffsicher. Kein Schlag geht daneben, kein Schrammeln läuft ins Leere. Das Duo ist eine erstaunliche Einheit mit eigenem Ausdrucksmittel-Repertoire.
Ungezügelt prallen übersteuerte Gitarrenakkorde, von drei mächtigen Verstärkern übertragen, auf nervöses Drumming. Und die ungeschult aufbegehrenden Stimmen künden derweil von Jugend und Erwachsenwerden. In den späten Siebzigern hätten die Japandroids sicherlich ihr Ventil in poppigem Punkrock gefunden. Doch reduzierte, aggressiv voranpreschende, zumeist dumpf vorgetragene Rockismen mit rebellischer Attitüde sind längst keine Alternative mehr für intensiv fühlende Jungmenschen.
Deswegen auch pflegen die beiden Kanadier gute Indie-Traditionen nach eigener Fasson, Ungestüm und Popfeinheiten finden zusammen. Sie fusionieren zu explosiven Songs, die zwar simpel sind, doch von grenzenlosem Ideenreichtum zeugen. Laute Mitsinglieder sind Feuerwerke, durchzogen von verschimmendem Noise, derben Heavyriffs und polternden Rhythmusvarianten.
Sänger und Gitarrist Brian, mit einem sehr hübschen Katzen-T-Shirt bestens für den sommerlichen Abend gekleidet, bringt von Beginn an seine Freude über das Beisammensein von Band und Publikum zum Ausdruck. Daher bedarf es keiner Annäherung oder gar einer Aufwärmphase. Mit den ersten Tönen The Boys Are Leaving Town, Opener des Konzerts, sind sämtliche Hemmungen abgelegt und gemeinsam werden die Lieder der zwei Sympathieträger zelebriert. Bis zum Ende flottieren purer Enthusiasmus und unbändige, freundlich ausgerichtete Energie frei durch den Konzertraum. Indierock in seiner packendsten Form: Schrammeln, Poltern und beherztes Singschreien für alle. Danke, Boys.


