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Und kommt die goldene Herbsteszeit

Und kommt die goldene Herbsteszeit

Die Goldenen Zitronen (13.11.2009)

Fast zwanzig Jahre ist es her, dass eine massive Umorientierung aus Hamburgs gemeinhin als Spaßpunker verschrieenen Goldenen Zitronen eine ständig sich wandelnde Formation werden ließ, welche sogar im weitesten Sinne als politische Musikgruppe zu fassen gewesen ist. Von dieser Zeit an begegnen Die Goldenen Zitronen der Umgebung mit zerrissener, aggressiver, lärmernder und sperriger Musik. Und ebensolchen Texten.

Auch nach zwei Dekaden ist dieses zähe, sicherlich zehrende Zitronen-Projekt noch immer aktiv. Trotz oder gerade wegen vieler Pausen, Umbesetzungen und -orientierungen oder Umständen wie  voranschreitenden Alterungsprozessen. Das Modell des steten Wandels, welches die Band intensiv umsetzt und eben praktiziert, ermöglicht immer neue bzw. immer wieder andere Auslegungen des eigenen Schaffens. Musikstücke sind an jedem Aufführungsabend aktuelle Versionen von Liedern. Diese dürfen umstrukturiert werden, sich immer wieder verändern.

Das aktuelle Album der Goldenen Zitronen, Die Entstehung der Nacht, überrascht durch die deutliche Hinwendung zur Auseinandersetzung mit Krautrock- und Hippiemusik – neben anderen Strängen. Auf der Bühne kommt dann aber sowieso alles Klangmaterial zusammen, welches die an diesem Abend hoch motivierte, geradezu lustvoll mit diesem Material spielend und ausgelassen agierende, schrankenfrei musizierende Gruppe präsentieren will. Zwischen Spaß und Ernst, Lärm und Harmonie, bitterem Gezeter und hintersinnigem Ulk, Gekasper und bohrendem Hinterfragen, popkultureller Pose, theatraler Geste und Freude am Geschehen zelebrieren die großartig kostümierten Goldies ihre konfrontative Musizierform.

Mittlerweile sind Konzerte dieser teilweise älteren Herrschaften weitaus spannender, also aufregender und aufwühlender - und auch menschlich vitaler -, als Bühnendarbietungen des größten Teils junger Bands, welche doch eigentlich die Impulsgebenden sein sollten. Der Herbst der Goldenen Zitronen bedeutet weder Auflösung noch Verfall, vielmehr fortgesetztes Aufbrechen. Im Gewusel. Stets erfolgen Wechsel, auch was Bühnenpositionen der einzelnen Akteure und Aktionsfelder anbelangt oder auch schlicht ihr jeweiliges Musikinstrument. Da lässt sich dann selbst das durchaus nach Punkrock dürstende Publikum auf lautstarke Bier-Buddel-Percussion ein, um heiter und ziemlich angeheitert Zitronen-Zugaben einzufordern.