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Beeindruckende Kulisse mit Schönheitsfehlern

Beeindruckende Kulisse mit Schönheitsfehlern

Berlin Festival (7.8.2009)

Im April 2008 durften die Berliner entscheiden, ob sie den Flughafen Tempelhof als Verkehrsflughafen behalten wollten. Sie wollten es mehrheitlich nicht und so flog Ende Oktober 2008 die letzte Maschine über die Landebahn. Eine günstige Fügung für das Berlin Festival, das in seiner vierten Auflage nun mit dem ehemaligen Flughafen-Gelände eine würdige Kulisse bekam. 2008 hatte das Festival übrigens pausiert und sollte nun mit so illustren Acts wie Peter Doherty, Deichkind oder Dendemann den Indie-bewussten Berliner auf das Gelände locken.

Dieses offenbarte leider schnell so manchen Mangel. Zum einen war der Sound auf der Hauptbühne, die sich in einem riesigen Hangar befand, schlicht und ergreifend furchtbar. Die viel zu hohen Decken und die schlecht ausgesteuerte Anlage verwischten die Musik bei jedem Anklang einer Rock-Gitarre so gefährlich, dass nur Bands, die es wie die großartigen Dear Reader machten und hauptsächlich akustische Songs spielten, überhaupt eine Chance hatten, zu überzeugen.

Zudem wurde vom Veranstalter ein System installiert, das es den Besuchern des Festivals nicht möglich machte, das Gelände - wenn auch nur für eine Minute - zu verlassen, ohne dass ihnen der Wiedereintritt möglich gewesen wäre. Das ist in Zeiten, in denen selbst das letzte Dorf-Festival es schafft, seinen Gästen Bändchen umzulegen und so elegant regeln, schlicht nicht akzeptabel und lässt im Zusammenhang mit den hohen Bier- und Essenspreisen einen mehr als faden Beigeschmack.

Schade drum, denn die meisten Bands waren durchaus bemüht, den Besuchern eine gute Show zu bieten. Man sollte bedenken: Pete Doherty ist sogar angereist und aufgetreten - das macht er nicht für jeden! Und auch Spaßcombos wie die Lokalmatadoren von Bonaparte oder besagte Deichkind können eigentlich keine schlechtgelaunte Menge hinterlassen.

Wenn es aber zum Beispiel bei den ebenfalls sehr tollen Thermals so klingt, als würden sie ständig dasselbe Lied spielen, weil einfach keine Nuance zu erkennen ist und wenn ein Jarvis Cocker sich zwar um Entertainment bemüht, man ihn aber wegen des Halls in der hohen Halle unmöglich ist, ihn zu verstehen, dann kann man so ein Festival nur schwer als vollen Erfolg bewerten. Und das trotz des großartigen Ambientes.