Platte der Woche

Interpol
Interpol

Aktuelle Platten

Spoken Words Performance (Docks, Hamburg)

Spoken Words Performance (Docks, Hamburg)

Henry Rollins (1.7.2009)

Junge, Henry Rollins kommt nach Hamburg! Henry Rollins, der als Sänger von Black Flag Ende der 1970er-Jahre amerikanische Punkgeschichte schrieb! Henry Rollins, der mit nun fast 50 Jahren immer noch aussieht, als könne er ohne Probleme 'nen Laster stemmen! Henry Rollins, der vor Wut und Energie explodieren kann und im nächsten Moment einer Rentnerin sympathisch lächelnd über die Straße hilft! Wann schlägt das bloße Tollfinden einer Person eigentlich in postpubertäres Anhimmeln um?

Ganz egal! Denn Henry Rollins kommt in die Stadt. Und zwar mit einer seiner Spoken Word Performances, mit denen er schon seit einigen Jahren regelmäßig die Welt bereist. Der erste Juli kann mit Fug und Recht als außerordentlich heißer und schwüler Sommertag bezeichnet werden, dem ein mindestens ebenso schweißtreibender Abend folgen sollte. Zudem war Rollins' Auftritt vom luftigen Stadtpark ins stickige Docks verlegt worden; dem Publikum stand also schon deshalb eine Höllen-Show bevor. Bei gefühlten 60°C wurde sich mit NDR-Kultur-Prospekten nicht wirklich vorhandene kühle Luft zugefächelt. Um die musikalische Untermalung bemühten sich englische Punkklassiker aus der Konserve.

Endlich während eines Rutts Evergreens wurde das Licht gelöscht und Mr. Rollins betrat die Bühne. Nur er, kein Stuhl, keine Requisite, nur er mit seiner kleinen Wasserflasche. Vor ihm das erwartungsvolle Publikum. Die nächsten zweieinhalb Stunden vergingen wie im Fluge! Nach einer überaus sympathischen, unbefangenen Begrüßung fing Rollins einfach an zu erzählen. Und vom ersten Moment an war der ganze Club völlig eingenommen. Keine lange Einleitung, keine Eingewöhnungsphase, das Publikum war sofort mittendrin. Vergessen waren Hitze und Durst. Ohne Pause berichtete die Punklegende so Vieles und Verschiedenes aus seinem Leben und den vergangenen Jahren, dass es rückblickend fast unmöglich ist, sich alles wieder ins Gedächtnis zurückzurufen: Das Publikum lachte, es jubelte und johlte nur um kurz darauf wieder ganz, ganz still zu werden. Rollins zog keine Show ab, er war einfach er selbst. Und noch viel wichtiger ist: Er hielt keine Predigt! Was jedem, älter als 15 Jahre, bei Anti-Flag und einschlägigen Kollegen nur noch sauer aufstößt, hatte weder Rollins noch das Publikum nötig. Und so soll ein bemerkenswerter Abend mit folgenden Worten beschlossen werden: „Auf der Welt läuft ´ne Menge schief! Ihr wisst das und ich weiß es auch! Also lasst uns was dagegen unternehmen.“